Nachklang einer Diva

Ob Marilyn, Marlene oder die Garbo: Glanz und Glamour großer Stars, gepaart mit einem tragischen Schicksal, sind immer wieder das Salz in der Suppe von Auktionen. Denn die Kenner, Fans, Liebhaber und auch Geschäftemacher lassen die Preise oft in absurde Höhen klettern: 255 000 Dollar zahlte ein Liebhaber für das Himmelbett von Rudolf Nurejew, 3450 Dollar erzielten Boxershorts von Mr. President John F. Kennedy im Doppelpack.

250 000 Dollar blätterte ein Fan für den weißen Lincoln Continental von Elvis Presley hin, mit dem er einst Natalie Wood durch Hollywood chauffierte.

Fünf Millionen Dollar war dem Land Berlin der Nachlass von Marlene Dietrich wert, der inzwischen im Filmhaus am Potsdamer Platz zu besichtigen ist. Und jetzt kommen in Paris (2. und 3. Dezember) 2000 persönliche Gegenstände von Maria Callas unter den Hammer. Wer sich künftig in einen der (mottenfreien) Chinchillamäntel der unvergessenen Operndiva hüllen will, kann bei 180 000 Franc einsteigen. Ein weißes Nerzbolero von Birger Christensen, Hofschneider des dänischen Königshauses, mit dem eingestickten Namenszug "Maria", ein Geschenk des Reeders Aristoteles Onassis, liegt in der Schätzung zwischen 100 000 und 150 000 Franc.

Zwei Porträtzeichnungen der weltberühmten Sopranistin von ihrem Bewunderer, dem Filmemacher Pier Paolo Pasolini (100 000 bis 150 000 Franc), Postkarten, ein Brief und Telegramme von Luchino Visconti (20 000 bis 30 000 Franc) gehören zu den Highlights, ebenso der Glücksbringer der Callas, ein kleines, dem Veroneser Spätbarockmaler Gianbettino Cignaroli zugeschriebenes Ölgemälde Die heilige Familie.

Seit ihrem ersten triumphalen Auftritt 1947 in der Arena von Verona ist sie niemals mehr ohne das Geschenk ihres Mannes und Impresarios Giovanni Batista Meneghini aufgetreten. 800 000 Franc sind der Schätzpreis für die 247 Quadratzentimeter kleine Malerei in einer Samtschatulle, dem sie einmal in einem Privatjet um die halbe Welt nachgejagt ist, weil es vergessen worden war.

Von persönlichster, geradezu an den Leib gehender Art sind viele die Aura der Griechin nachhauchende Kleidungsstücke - ein lila Seidennylonkorsett, ein schwarzer Seidenkimono, zarte Sandaletten, unzählige lange Handschuhpaare, elegante Abendroben von der Mailänder Couturière Elvira Biki, die der Callas atemberaubende Kreationen für Abendgalas bei prominenten Gastgebern schneiderte.

Schmuck und die letzte Brille mit Bakelitgestell des stark kurzsichtigen Opernstars, einige mit Satinschleifen zusammengebundene Haarlocken bieten Calmels-Chambre-Cohen anlässlich ihres 77. Geburtstag bei Drouot-Montaigne feil. Eher von kunsthistorischem Interesse dürfte die neunteilige Büroeinrichtung von dem Tiffany-Studio aus den zwanziger Jahren sein.

Nachklang einer Diva

Aus zwei verschiedenen Privatsammlungen in Italien und Griechenland stammen die Privatissima der mit 53 Jahren an einer Herzattacke einsam und verbittert gestorbenen Künstlerin - ihr Vermögen war beträchtlich, die Stimme aber ebenso verloren wie der Reeder Onassis. Während bereits 1978, ein Jahr nach dem plötzlichen Tod der Opernsängerin, ein Teil ihrer Besitztümer im Pariser Hotel George V. unter den Hammer kam, sind die "Souvenirs einer Legende" bisher nie auf dem Markt aufgetaucht.

Damals brachten aufwändig geschnitztes und vergoldetes Mobilar, religiöse Malerei zweit- und drittklassiger Maler vom 16. bis 19. Jahrhundert und bemerkenswerte Ostasiatika einen Erlös von knapp einer Million Mark. Fast ein Drittel davon kaufte der Ehemann Giovanni Meneghini damals auf, darunter für bescheidene 7000 Franc das Bett seiner über 15 Jahre von ihm getrennt lebenden, aber nie geschiedenen Frau.

Warum sich die beiden Sammler jetzt von ihren über Jahre wohlgehüteten Schätzen trennen, weiß nicht einmal der Auktionator Frédéric Chambre zu sagen. "Geldnot ist es jedenfalls nicht", sagt er. Ihre Entscheidung ist wohl eher als resignierte Absage an den über Jahre hin erfolglos verfolgten Traum eines Museums als Ort der Bewunderung des Mythos Callas zu verstehen. Über mangelndes Interesse hätte ein solches Museum sicher nicht zu klagen gehabt, bedenkt man den Andrang zu den Vorbesichtigungen in New York, wo die Callas ihre großen Auftritte an der Met hatte, in Monaco (15 000 Besucher) und jetzt in Paris.

Wie die Souvenirs nun in alle Winde verstreut werden, so wie einst die Asche der Künstlerin über den Wellen der Ägäis, können Neugierige und Mitbieter erstmals bei einer französischen Auktion live und weltweit über Internet verfolgen und daran mitwirken (www.theauctionchannel.com).