Thorn: Guten Morgen Herr Lange.

Lange: Herr Thorn, wie groß sind nach Ihrer Meinung die Chancen, dass diese Dinge am Samstag geklärt sein werden?

Thorn: Es wird ein harter Gipfel werden und man, wie es im Fußball heißt, höchstwahrscheinlich mit Verlängerung spielen. Ich glaube aber, dieser Gipfel kann nicht fehlgehen. Ich glaube Deutschland ist besonders daran interessiert, dass es ein Resultat gibt, dass neue Beitrittskandidaten zugelassen werden können. Jeder von uns will, dass die Gemeinschaft funktionsfähig erhalten bleibt. Darum geht es im Moment.

Lange: Wo ist denn am ehesten mit einer Einigung zu rechnen?

Thorn: Ich glaube jeder muss einsehen, dass man von Grundprinzipien ausgehen muss. Man muss sich ersten sagen, wollen wir eine wirkliche Schicksalsgemeinschaft; dann müssen wir Mehrheitsbeschlüsse akzeptieren. Zweitens geht es um die Frage, wie groß die Mehrheiten sind. Gut, man kann irgendwie die Bewertungen anders legen, dass die großen ein paar Stimmen und einen höheren Quotienten haben, die anderen weniger. Man muss jedoch wissen: Wir haben die Gemeinschaft auf einer Basis geschaffen, wo die sechs Staaten gleich waren. Damals gab es Einstimmigkeit. Man darf heute zum Beispiel von uns oder anderen nicht verlangen, dass wir vor den Leuten stehen, als hätte man sie damals betrogen, als wäre es nicht mehr der Deal, der damals beschlossen wurde, als wären Luxemburg, Belgien oder andere Staaten nunmehr zweitrangige Staaten. Dann ist es nicht nur keine Schicksalsgemeinschaft mehr, sondern auch keine Völkergemeinschaft mehr.

Lange: Die Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen und die Stimmengewichtung, das hängt ja miteinander zusammen. Sie könnten es also als Luxemburger nur schwer nachvollziehen, wenn am Ende etwa ein Verhältnis 33 Stimmen für Deutschland, 3 Stimmen für Luxemburg herauskäme?

Thorn: Nein, man kann mehr Stimmen geben, aber man soll keinem die Stimmen verwehren. Verstehen Sie was ich meine? Wenn man sagt, Deutschland ein paar Stimmen mehr, eine größere Gewichtung schon. Aber was ich nicht vertragen könnte und was meiner Ansicht nach ein großer Fehler wäre, das wäre zum Beispiel bei der Kommission, dass jemand keinen Kommissar hätte.