Eine düstere Prophezeiung: "Viele werden sich eine blutige Nase holen", sagt Michael Lohse, Sprecher des Deutschen Bauernverbandes. Die gesamte Fleischwirtschaft sei in Aufruhr.

Die von BSE-Tests, Tiermehlverbot und Notschlachtungen direkt betroffene Landwirtschaft dürfte noch am wenigsten Not leiden. Gemessen am Produktionswert des gesamten Agrobusiness von rund 1000 Milliarden Mark liegt der landwirtschaftliche Beitrag bei knapp zehn Prozent. Und die grüne Front konnte noch immer damit rechnen, dass ihr zumindest ein Teil der Verluste von Brüssel ersetzt wird. Das ist auch in diesem Fall bereits beschlossene Sache.

Besonders betroffen sind hingegen die rund 700 Herdenzüchter, die ihre Tiere exportieren (Jahresumsatz: 160 Millionen Mark). Rund 100 000 trächtige Rinder werden pro Jahr ins Ausland verkauft; vorzugsweise in südliche Länder Europas und den gesamten Maghreb. Deutschland ist weltweit die Nummer eins in diesem Geschäft. Derzeit geht allerdings nichts mehr, sodass den Züchtern auch die EU-Zuchtprämie verloren geht: 200 Mark je Rind. Einzelheiten eines Ausgleichs stehen noch aus.

Dramatische Einbußen drohen dem Handel sowie dem Gast- und Ernährungsgewerbe, weil der Verbrauch von Rindfleisch und den daraus hergestellten Erzeugnissen deutlich zurückgeht.

Die Absatzflaute wirkt sich zudem auf die 228 Schlachtbetriebe aus (Umsatz 1999: 11,5 Milliarden Mark, 16 500 Beschäftigte). Sie dürfte jedoch von kurzer Dauer sein, weil laut EU-Beschluss alle Rinder, die älter als 30 Monate sind, geschlachtet werden müssen. Ein Problem bleibt die Entsorgung.

Mit Einbußen rechnen auch die Fleischwarenerzeuger. Die Branche gehört mit ihren 260 mittelständisch strukturierten Betrieben (22,3 Milliarden Mark Umsatz, 85 000 Beschäftigte) zu den ganz großen Wirtschaftszweigen des Ernährungsgewerbes.

Zu den Krisengewinnlern könnten die 500 Mischfutterproduzenten (Produktion: 19 Millionen Tonnen mit einem Marktwert von acht Milliarden Mark, 20 000 Beschäftigte) gehören. Weil Rohstoffe wie Raps und Soja teurer sind als das preiswerte Tiermehl, wird das industriell hergestellte Futter mehr kosten als bisher; im Gespräch sind Preissteigerungen zwischen zehn und fünfzig Prozent. Die Hoffnung ist, von den steigenden Preisen etwas abschöpfen zu können. Unklar ist noch, ob der Rapsanbau ausgeweitet werden kann, da Deutschland sein von der Welthandelsorganisation WTO zugestandenes Kontingent voll ausgeschöpft hat.