Dieser Bill. Da hatte Microsoft-Chef Gates (ein Pulloverträger, ausgerechnet!) das baldige Ableben des feinen Bankgewerbes (Nadelstreifen! Tradition! Diskretion!) prophezeit - und schon waren die Herren des Geldes um eine Vision reicher. "Banking is necessary, banks are not", sagte Gates. Frei übersetzt: Niemand wird künftig noch eine Bankfiliale brauchen, weil es ja das Internet gibt. Ein Klick, und die Aktie ist gekauft. Zwei Klicks, und fertig ist die Baufinanzierung. Drei Klicks, vier Klicks, fünf oder sechs - alles ein Klacks. So dachten auch die Strategen der neuen Internet-Banken, die sich aufmachten, die alten Geldhäuser zu ärgern.

Denkste. Offensichtlich hat man ob der ganzen Online-Euphorie eine Winzigkeit vergessen: die Kunden. Von 1000 Website-Besuchern tätigen an guten Tagen gerade mal 15 einen Abschluss, hat die Unternehmensberatung Bain & Company herausgefunden. Der große Rest läuft lieber in die Filiale. Reine Online-Banken gewinnen keine neuen Kunden, sondern jagen sich die wenigen, die sie haben, gegenseitig ab.

Woran das liegt, hat die Branchenbibel Euromoney aufgedeckt: Eine der "20 Sünden des Internet-Banking" sei es, zu glauben, das Netz reiche als alleiniger Vertriebsweg aus. Im Klartext heißt das: Wer Aktien kauft, will nicht nur online handeln, sondern auch offline, in einer Filiale. Damit man dem netten Bankberater persönlich die Meinung sagen kann, wenn sein "todsicherer Tipp" daneben lag - und nicht zu Hause frustriert den PC anbrüllen muss. Der einstige Pionier des Online-Banking ist daher schon weiter: Charles Schwab, Marktführer in den Vereinigten Staaten, hat ein neues Geschäftsfeld entdeckt: Filialen. Mehr als 350 besitzt er, Tendenz steigend. Auch in Deutschland dürfte Schwab bald aktiv werden. Vielleicht in den Zweigstellen, die die Deutsche Bank geschlossen hat?

Marc Brost