Munter richten Deutschlands Universitäten und Fachhochschulen neuartige Studiengänge ein. Die führen nicht, wie gewohnt, zum Diplom oder Magister, sondern nach angelsächsischem Muster zum Bachelor (nach drei Jahren) oder zum Master (nach weiteren zwei Jahren). Damit die Qualität des Studiums gesichert wird, haben die Kultusminister einen so genannten Akkreditierungsrat eingesetzt. Der soll als Kontrolldienst ein Gütesiegel an Bachelor- und Master-Studiengänge verteilen - und an Akkreditierungsagenturen, die ihrerseits die neuen Studienangebote begutachten sollen. Aber dieses Verfahren zur Qualitätssicherung kommt nur mühsam in Gang.

Mit den neuartigen Studiengängen soll das Studium in Deutschland internationaler, flexibler, praxisnäher und kürzer werden - nicht zuletzt, damit die hiesigen Hochschulen international wettbewerbsfähig bleiben. Seit 1998 erlaubt das Hochschulrahmengesetz Bachelor- und Master-Studiengänge. Seitdem ließen Hochschulrektoren und Kultusminister die neuen Abschlüsse zu, "in einer Schnelligkeit, wie ich sie im staatlichen Bereich selten erlebt habe", staunt Herbert Graubohm. Er begutachtet bei der Akkreditierungsagentur Fibaa (Foundation for International Business Administration Accreditation) die Qualität von Studiengängen.

Erst 4 von 524 Studiengängen erhielten das Gütesiegel

Mit dem Boom neuer Studiengänge hatten die Kultusminister allerdings nicht gerechnet. Im laufenden Wintersemester 2000/01 bieten deutsche Hochschulen bereits 524 Studiengänge an, die mit dem Bachelor oder dem Master abschließen. Aber nicht alle sind wirklich neu. Einige Hochschulen haben nur die Etiketten gewechselt, bieten jedoch das alte Programm. Um das auf Dauer zu verhindern, soll der Akkreditierungsrat als Prüfinstanz die modernen Studiengänge vor der Zulassung begutachten. Doch noch ist die Anmeldung zur Akkreditierung für die Hochschulen nicht verpflichtend. Und auch der Akkreditierungsrat selbst befindet sich noch in der Testphase.

Seit zwei Jahren existiert der 14-köpfige Akkreditierungsrat aus Wissenschaftlern, Hochschulrektoren, Ländervertretern, Studenten und Gewerkschaftern. Doch er krankt an diversen Stellen: Zu kurz ist die Lebensdauer von vorerst drei Jahren. So lange reicht die Anschubfinanzierung, mit welcher der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft das Projekt erst ermöglichte. Zeit für eine Bewährung bleibt kaum, zumal ein ganzes Jahr verstrich, bevor der Rat überhaupt mit der Akkreditierung begann. Zuvor diskutierte er über mögliche Standards. Zwölf Monate lang. Im Bestandsjahr Nummer zwei begutachtete der Rat drei Agenturen, die nun ebenfalls akkreditieren dürfen. An ganze 4 der 524 neuen Studiengänge wurde bisher das Prüfsiegel des Akkreditierungsrats vergeben.

Ungeklärt ist, welche Stellung der Rat gegenüber Länderministerien hat. Selbst wenn ein Studiengang akkreditiert ist, kann ein Kultusminister dessen Zulassung verweigern. Umgekehrt geben Landesbehörden neue Studiengänge frei, ohne dass der Rat geprüft hat. Wer hat das Sagen? Zu arm nennt Heide Naderer, die Geschäftsführerin, den Rat: Die Finanzdecke der Akkreditierer bis 2001 ist mit 350 000 Mark dünn. Genau wie der Personalbestand. Die Geschäftsstelle verfügt über drei Mitarbeiter und ist deshalb mit dem knappen Dutzend laufender Prüfverfahren fast schon überlastet. Im kommenden Jahr sollen es 20 bis 30 werden. "Was wir leisten können, ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagt Heide Naderer. Da erscheint es fast als Glück, dass "sehr wenig Akkreditierungsanträge gestellt werden".

Auch bei den untergeordneten Agenturen hält sich die Nachfrage in Grenzen. Der Zeva (Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover) liegen 12 Anträge vor, bei der Fibaa haben sich fünf Studiengänge gemeldet. Warum besteht kein Bedarf nach dem Gütesiegel? Heide Naderer moniert, die Bundesländer hätten die Akkreditierung bei den Hochschulen "nicht genug gepusht". Die Agenturen dagegen fordern mehr Eigeninitiative vom Akkreditierungsrat, er müsse endlich "die Werbetrommel rühren" und die "Lehrqualität made in Germany" auch im Ausland anpreisen.