Als Textchef arbeitete ich in einem Technologiemagazin, und zwar gerne - bis ich zwei neue, etwas jüngere, ständig mit den Hufen scharrende Chefredakteure vor die Nase gesetzt bekam. Keinen Artikel konnten sie passieren lassen, ohne ihre eigene Duftmarke anzubringen. Irgendwann nistete sich erstmals eine bis dahin nicht gekannte Vorstellung in meinem Kopf ein: Aussteigen. Vater werden! Gestochen scharf stand mir diese Vater Morgana spätestens vor Augen, als meine Chefs folgende Überschrift erfanden: "Wie das Ozonloch seine Wunden leckt". Da fragte ich meine Frau: "Wann, wenn nicht jetzt?" - "Aber wer soll sich kümmern?", fragte sie. - "Ich natürlich!" Ein Jahr später hielt ich glücklich meine Tochter auf dem Arm und plante die Zukunft und sechs weitere Töchter.

Kleine Kinder schlafen viel, und während sie schlafen, kann ein Mann wie ich viele Bücher schreiben, dachte ich. Denn ich wollte zu Hause bleiben und nicht die Zwiespälte der doppelt belasteten Frauen auf mich nehmen; auch nicht die permanenten Gewissensbisse jener immer zahlreicher werdenden Männer, die die Familie gleichwertig neben ihrer Arbeit sehen: Den ganzen Tag feilen sie an Powerpoint-Dateien und freuen sich auf ihre Kinder, aber dann schaffen sie es doch immer erst nach Hause zu kommen, wenn Söhne und Töchter gerade eingeschlafen sind und die Ehefrauen schon ziemlich sauer.

Als Erstes, dachte ich, werde ich ein Buch über mein Leben als Hausmann und Vater schreiben. Seht her, werde ich Alice Schwarzer und den anderen Frauen mitteilen: Hier bin ich, der neue Mann, ein Held unserer Zeit! Während meine Frau im Sender Karriere macht, schmeiße ich den Haushalt und ziehe ein paar Kinder groß. Mir nach, werde ich meinen Geschlechtsgenossen zurufen, wir sind die wahren Revolutionäre. Die Supermänner! Der Mann von der Sparkasse sah das ein wenig enger. Er stellte nur fest, dass auf meinem Konto seit Monaten nichts mehr einging, und fragte mich, ob ich arbeitslos sei. "Überhaupt nicht", sagte ich, "ich habe mich nur selbstständig gemacht. Wegen des Kindes."

Umso wichtiger mein Bestseller. Aber wann sollte ich ihn schreiben? Mein Kind schlief wenig und schrie viel. Musste gewickelt, an die frische Luft gebracht und zum Stillen zweimal pro Tag zur Mutter in den Sender gefahren werden. Schlief es doch einmal, schlief auch ich - jedoch immer nur so lange, bis der Hund bellte oder das Telefon klingelte und das Baby schreiend aufwachte. Denk positiv, redete ich mir ein, du hast ja sowieso noch den Haushalt zu erledigen. Einkaufen, putzen, kochen, waschen, bügeln.

Doch Emma wählte mich nicht zum Mann des Jahres. Auch die übrigen Medien ignorierten mich. Franz Josef Wagners Bunte machte unsereinen als Softie nieder, und der Literaturbetrieb fand Popliteraten interessanter, die von morgens bis abends darüber nachdenken, auf welche Party sie gehen. Während ich jeden Event verstreichen ließ, nicht nur aus Müdigkeit und Zeitmangel, sondern auch, weil ich die Partyfrage fürchtete: "Und was machst du denn so?"

Antwortete ich wahrheitsgemäß, teilte sich die Menschheit in drei Lager: Die Macker guckten verwundert und fügten noch ein wenig allgemeines Gerede an, um sich dann möglichst schnell zu verabschieden und wichtigere Gesprächspartner zu suchen. Die Sensibleren brachen in Rufe des Erstaunens aus und versicherten mich ihrer Bewunderung - aber untendrunter hörte ich mit, dass sie selber so was "ganz Tolles" niemals praktizieren würden. Und die Frauen zeigten sich ehrlich begeistert, so sehr, dass sie später in Kleingruppen meiner Frau von dem "süßen Mann" vorschwärmten, den sie sich da an Land gezogen hatte - während ich mich fühlte wie ein Streber, dem seine Tanten zufrieden übers Haar streichen.

Männer im Film und in der Werbung segeln, snowboarden, saufen und prügeln sich, konkurrieren um Frauen und Posten. Ich wickelte mein Baby und putzte das Klo. Und den Bestseller, in dem steht, wie man Karriere und Familie problemlos unter einen Hut bekommt und dabei auch noch singt, hat das Superweib Hera Lind geschrieben. Fragt man sich doch klammheimlich: Wieso schafft die das? Nach einem Jahr hatte ich vom Hausmännerdasein die Nase voll. Wir engagierten Putzfrauen, Babysitter, Au-Pair-Mädchen und überhaupt alles, was man so braucht, und ich atmete auf. Endlich konnte ich wieder meinem Vergnügen nachgehen, meinem Beruf, wenn auch weiter von zu Hause aus.