Die Zeit: Der Club of Rome ist besonders bekannt für seine sogenannten Berichte zur Lage der Menschheit - nämlich "Die Grenzen des Wachstums" und den Nachfolgebericht "Die Neuen Grenzen des Wachstums". In beiden Berichte zeichneten Sie ein eher düsteres Zukunftsbild für die Menschheit, insbesondere in Hinblick auf Bevölkerungswachstum, Hunger, Umweltzerstörung und Erschöpfung natürlicher Ressourcen. Heute glauben viele Menschen, daß der Club damals zu pessimistisch war...

Prinz Hassan: "Die Grenzen des Wachstums" war in seinen Aussagen natürlich streckenweise ‚Orwellsch', und schockierte entsprechend. Aber bedenken Sie, daß das Konzept, Voraussagen für solch komplexe ökonomische und ökologische Entwicklungen für die nächsten Jahrzehnte zu machen, noch völlig neu und experimentell war.

Die Zeit: "Die Grenzen des Wachstums" wurde 1972 veröffentlicht, "Die neuen Grenzen des Wachstums" 1989. Wird es einen dritten Bericht geben - vielleicht 2006?

Prinz Hassan: Die historische Situation der beiden ersten Berichte war eine andere: Die Öffentlichkeit war an einem solchen Bericht und den darüber nötigen Diskussionen interessiert. In den letzten Jahrzehnten aber sind viele Zukunftsszenarien entworfen worden, die einen "Wachrütteleffekt" zum Ziel hatten. Das meiste, was es in diesem Kontext zur Zeit zu sagen gäbe, ist inzwischen schlichtweg schon gesagt worden.

Die Zeit: Es ist in den letzten Jahren etwas ruhiger um den Club geworden. Womit haben Sie sich beschäftigt?

Prinz Hassan: Es sind viele Berichte zu einzelnen, aber dennoch global wichtigen Themenbereichen entstanden - nehmen Sie z.B. "Reshaping the international order" oder "Die Grenzen der Gemeinschaft: Konflikt und Vermittlung in pluralistischen Gesellschaften". All diese Berichte waren innerhalb ihres Themenbereichs extrem wichtig. Neue sektorale Berichte sind in Vorbereitung, z.B. die "General Theory of the Growth of Humankind".

Die Zeit: Warum der Wechsel zu solch sektoralen Berichten?