Onkel Hugo liegt im Sterben. Und will noch mal sein Testament ändern. Alarmstufe Rot, jetzt pressiert's! Von Bremen nach Bayreuth sind es 580 Kilometer Autobahn. Gut fünf Stunden - viel zu lange. Nehmen wir ein Lufttaxi!

Lufttaxis, nicht wahr, stehen in einer langen Reihe mit laufenden Motoren am Rand des Rollfeldes. Reinspringen, Fahrtziel nennen, Taxameter an - und los geht's. Stunde später in Bayreuth ins Erdtaxi, zehn Minuten später am Sterbebett - gottlob!, der alte Knabe lebt noch! "Onkel Hugo, darf ich dir den Stift führen?"

Die Wahrheit: Lufttaxis gibt es gar nicht. Nirgendwo stehen kleine Flugzeuge hintereinander mit gelbem Taxischild und rauchenden Chauffeuren. Was es aber gibt: Flugzeuge, viele Flugzeuge, überall im Land, von der einmotorigen "Eierfeile" bis zum Airbus, und alle kann man mieten. Insider sprechen von "Charter", enorme Insider von "Executive Charter".

Leider stehen diese Maschinen fast nie da, wo sie gebraucht werden. Die Wahrheit über den Lufttaxiflug Bremen-Bayreuth zum Beispiel sieht so aus: 10.40 Uhr Anruf Flughafen Bremen. Tip von dort: OLT (Ostfriesische Lufttaxis). 10.45 Uhr: Anruf bei OLT in Emden. Ja, man hätte ein Flugzeug nach Bayreuth, leider nur eine Zweimotorige für acht Passagiere, leider fliege der Pilot auch noch anderswo herum. Take-off in Bremen, wenn alles gut geht, 14.00 Uhr. 15.30 Uhr Landung Bayreuth. Ach - und Bargeld mitbringen! 6500 Mark plus Mehrwertsteuer.

Vielen Dank! Das schaffen wir auch (und billiger) mit dem Auto. Die Bremer Konkurrenz namens Silver Bird würde es eine Stunde schneller hinbekommen, aber Taxifeeling will auch so nicht aufkommen. Falsche Zeit, falscher Ort!

Giovanni di Lorenzo, Tagesspiegel-Chef und 3nach9-Moderator, hatte erst Pech und dann Glück. Kürzlich sollte er nach Köln kommen zum WDR, als Teilnehmer der Stammtischrunde Presseclub. Leider war in Berlin-Tegel der Flieger überbucht, und weder Giovannis notorischer Charme noch sein Angebot, sich mit ins Cockpit zu setzen, halfen. Erst ein Anruf beim Flughafen Tempelhof brachte die Lösung. Da stand just noch ein kleiner Jet herum. 7000 Mark unter Brüdern, der WDR gab sein Okay, und di Lorenzo kam pünktlich ins Studio. (Die überbuchende Airline übernahm nach zähen Verhandlungen die Hälfte des Charterpreises - dies als kleiner Hinweis für andere Opfer dieser Praxis).

7000 Mark für Berlin-Köln klingt viel und ist auch viel. Die Kundschaft der Privatcharterfirmen lässt sich in zwei Gruppen unterteilen: Die eine muss rechnen, die andere nicht. Da sind die reichen Promis wie Boris Becker, bei denen das Catering an Bord sich auf Magenverstimmungen des Söhnchens einstellt. Leute, die mal ein Stündchen die Bunte-Knipser abhängen wollen, wie Harald Juhnke, werden am Tempelhofer Privatfliegerterminal GAT (General Aviation Terminal) öfter gesehen. Oder man denke an Betuchte mit Bakterienangst wie Michael Jackson.