Da könnte man sagen: durchsichtiges Manöver! Die Union hat vielleicht jetzt erst gesehen, wie die SPD - völlig legal, aber nicht völlig transparent - Erträge aus ihrem Vermögensbesitz mit Schulden (und Schuldzinsen) aus dem Parteibetrieb verrechnen kann, ohne diese Erträge im Rechenwesen der Partei als Einnahmen erscheinen zu lassen. In Wirklichkeit ging es in der Geschichte der Parteienfinanzierung freilich anders zu. Jeder sah die Vorteile des anderen - die einen hatten mehr Mitglieder und Vermögen, die anderen mehr Großspender aus der Industrie. Und so hat dann jeder darauf geachtet, dass er in der Struktur der staatlichen Mit-Finanzierung der Parteien einen Ausgleich für seinen Nachteil bekam, ohne einen Abzug für seinen Vorteil hinnehmen zu müssen. Und jetzt wird man an den unterschiedlichen Vorschlägen der Parteien für eine Reform des Parteiengesetzes schnell erkennen: Jeder will dem anderen in den Wäscheschrank schauen - und zwar jeweils dort, wo man bei ihm die schmutzige Wäsche vermutet. Erstaunlich übrigens, was dabei an Denkfiguren und begriffen zutage kommt: "Einflussspenden" sollen künftig verboten sein, und zwar "nachträgliche". Was heißt das? Dieses: Wenn einer spendet, bevor er durch politisches Handeln einen Vorteil erreicht, dann ist das Bestechung. Wenn einer spendet, nachdem er etwas erreicht hat, dann ist dies Dank für gehabten Einfluss, also legal. Bisher! Bitte schön, was man nicht alles lernt...

Aber merken denn die lieben Politiker, die nun einen Wettlauf um die "gläserne Parteienfinanzierung" eröffnen (sie möge endlich kommen, möglichst bald!) - aber merken diese Politiker eigentlich gar nicht, wie sehr sie damit die Wähler und das Grundgesetz noch nachträglich verhöhnen? Steht denn im Grundgesetz nicht seit der Gründung der Bundesrepublik, dass die Parteien über Einnahmen und Ausgaben öffentlich (also doch wohl auch: offen - und also transparent, also: gläsern) Rechenschaft abzulegen haben? Hat es nicht zwanzig Jahre gedauert, bis sie überhaupt ein Parteiengesetz durchs Parlament brachten? Ist dieses Gesetz nicht x-mal geändert worden - ohne dass dies bisher zur Transparenz geführt hat? Also, die Herren sollten auch dieses Mal nicht den Mund zu voll nehmen. - Wer weiß denn schon heute zu sagen, nach welcher künftigen Parteienfinanzierungsaffäre dann die nächste Generation fordert, nun brauche man endlich durchsichtige Parteien.

Es mag schon sein, dass aus den schlimmsten Sündern die besten Büßer werden. Aber bitte nicht die prallsten Prediger!