Unter der offenen, gut einsehbaren Jeansjacke wölbt sich der Bauch. Der Oberkörper ist verhüllt von einem spitz nach unten zulaufenden Tuch; der Nabel bleibt gerade noch bedeckt. Die textile Blickführung lenkt alle Aufmerksamkeit auf die nackte Tatsache der Schwangerschaft und bringt ein Stück urwüchsiger Natur zum Vorschein: Schaut her, ich bin im sechsten Monat.

Seit drei Wochen inszenieren das "Blitzlichtluder" Jenny Elvers und der "Containerchauvi" Alex Jolig ihre Trennung, in allen Wendungen und in aller Öffentlichkeit. Die Big Brother-Show führte sie einst zusammen, doch nun ist alles vorbei. So scheint es. Es geht aber erst richtig los! Elvers hat sogar ein Lied mitgebracht, dessen hymnisch vorgetragene Botschaft "Ich verzeih' Dir" uns für die rechte Sache einnehmen soll. Welche?

Nichts ist so, wie es vorher war. Überall lauert die Enttäuschung, nirgends gibt es Halt. Elvers hat sich ihren Reim darauf gemacht: "Hab' ich Konsequenzen doch schon längst gecheckt, nur weggesteckt, / und dunkle Wolken mit Gefühlen einfach zugedeckt. / Kann Freund und Feind in meinem Herzen nicht erkennen, / ob sie mich trösten oder ob sie mich verbrennen." Dunkles Gewölk, Freund oder Feind? Umnachtet von unbarmherziger Finsternis, versteht Elvers es dennoch, aus der Not eine Tugend zu machen. Inmitten der Ununterscheidbarkeit zwischen gut und böse, echt und falsch entdeckt sie das Gefühl. Sie setzt sich souverän über alle Zweifel hinweg und bereitet konsequent ihre neue Rolle als Mutter der Nation vor. Vergessen sollen sein die Meisel, die Beimer oder auch die Lind. Schwangerschaft, so lernen wir von Jenny Elvers, ist keine Tatsache der Natur - warum auch? -, sondern das einträgliche Orientierungsgebot der Stunde.

Big Brother macht es möglich: praktizierte Biopolitik unter den Bedingungen der New Economy; rückhaltlose Selbstausbeutung als Vermarktungsstrategie. Darin mag, wer es nicht lassen kann, einen Fortschritt sehen. Dieser Fortschritt könnte aber noch weiterschreiten. Leicht wäre ein Videoclip zu Elvers' neuem Lied denkbar, der in ihrem Bauch spielte. Deutlich wäre das Ungeborene zu erkennen; geschickte Computeranimateure hätten ihm das Konterfei des treulosen Alex auf die Schultern montiert. Wir alle, die gebannten Fernsehzuschauer, müssten nur noch über die "Nominierung" des Eingeschlossenen abstimmen, dann würde sich die Medienlogik des neuen Lebens vollenden. Mein Bauch gehört mir? Die Wette gilt!