Eine alte Mär. Es kann zwar zu Magenverstimmungen führen, wenn man Brotteig isst - dann gären die Mikroorganismen (also etwa die Hefepilze) im Bauch weiter und entwickeln blähende Gase. Diese Mikroflora, erklärt Peter Schropp vom Bund deutscher Lebensmittelmeister, wird aber beim Backen fast vollständig getötet, und deshalb werden nur sehr empfindliche Mägen darauf irritiert reagieren. Für die meisten Menschen ist frisches Brot einfach nur sehr lecker (sorry, Herr Siebeck).

Und gerade da könnte die Ursache für die Legende liegen, sagt Jürgen-Michael Brümmer von der Bundesanstalt für Getreideforschung. In den dreißiger und vierziger Jahren gab es nämlich tatsächlich eine Bestimmung im Brotgesetz, nach der Brot erst am Tag nach der Herstellung verkauft werden durfte. Brümmer vermutet, der Reichsnährstand (in dem damals alle Nahrungsproduzenten zusammengeschlossen waren) wollte damit verhindern, dass die Bevölkerung sich den hungrigen Bauch mit dem frischen, weichen Brot vollschlug. Einen Tag später war es härter, man musste mehr kauen, und die knappen Rationen reichten länger.
 

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