MÜLLER-MAGUHN: ICANN ist sozusagen das zentrale Architekturbüro des Netzes, wo die Namensräume vergeben werden, damit die Nutzer sich gegenseitig finden und damit das Routing (die Verbindung) funktioniert, und damit die Computer auch alle eine Adresse haben, und ICANN ist der Ort, wo das Regelwerk erarbeitet wird, nachdem eben weltweit diese Systeme quasi gestaltet werden.

FRAGE: Klingt rein technisch!

MÜLLER-MAGUHN: Das ist auch - wenn Sie so wollen - erst mal eine rein technische Aufgabe. ICANN selbst ist ja sozusagen nicht ausführendes Organ, dass heißt, die betreiben nicht das Namensystem in dem Sinne, sondern...

FRAGE: ...es ist ja ein Aufsichtsorgan.

MÜLLER-MAGUHN: Nee, das ist auch nicht richtig, sondern einige Server werden mehr oder weniger von ICANN betrieben, aber in erster Linie mal erarbeiten sie die Regeln, nach denen andere dann technisch agieren können.

FRAGE: Sie haben ja so eine Art Regierungserklärung geschrieben, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" - ausgerechnet da, hätte ich beinahe in Klammern dazugefügt - und darin heißt es: "Ich will immer noch den öffentlichen Raum frei von kommerziellen Spielregeln halten, den freien Informationsfluß hüten und den Bits ihre Freiräume geben." Wie frei - tatsächlich ohne jegliche inhaltliche Filter?

MÜLLER-MAGUHN: Ja, selbstverständlich ohne inhaltliche Filter, ich meine - das ist aber eigentlich einer der geringsten Ansprüche, das ganze geht ja noch viel weiter. Also, ich weiß jetzt nicht ...