Ludwig Jacobowski: Gesammelte Werke

hrsg. von Alexander Müller und Michael M. Schardt

Igel Verlag, Oldenburg 2000

1210 S., 98,- DM

"Rastlos - furchtlos - selbstlos": So steht es auf seinem Grabstein in Berlin-Weißensee zu lesen. Vor genau 100 Jahren, am 2. Dezember 1900, war der bekannte Autor Ludwig Jacobowski, erst 32 Jahre alt, gestorben. Heute ist er vergessen, und nur selten noch taucht eines seiner samtig melancholischen Gedichte in Anthologien auf. Und doch, die 1210 Seiten der neuen Werkausgabe belegen es, er war tatsächlich rastlos, tummelte sich, nach einem Studium der Philologie in Freiburg, als Redakteur etlicher Zeitschriften in Berlin, schrieb Romane, Novellen, Essays, Dramen. Furchtlos kämpfte er gegen den aufziehenden Antisemitismus im Kaiserreich - sein Roman Werther, der Jude (1892) spiegelt den Zwiespalt vieler seiner Glaubensgenossen zwischen Emanzipation und Assimilation. Selbstlos hat er für Toleranz und Integration gestritten, zuletzt zunehmend resignierend vor der rasenden Dummheit Hohenzollern-Deutschlands. Der gewaltige Band, den der Oldenburger Igel Verlag jetzt herausgebracht hat, ist Hommage und liebevolle Edition in einem - nicht zuletzt eine Fundgrube für alle, die sich mit der Geschichte der (jüdisch-)deutschen Kultur beschäftigen.