Wer den Roman Elementarteilchen von Michel Houellebecq auf die Bühne bringen will, braucht schon den bedingungslosen Willen zur Zeitgenossenschaft. Bei Frank Castorfs Volksbühne ist dieser Wille natürlich gegeben

die langwierige Vorbereitung des Events - Rainald Goetz gab den Auftrag zur Dramatisierung zurück, die Premiere wurde verschoben, ein öffentliches Gespräch mit dem Autor platzte, als schon Hunderte Zuschauer im Saal saßen - machte seine Realisierung zu einer Frage der street credibility, der Zeitgeistkompetenz für die Volksbühne.

Der Konzeptkunstcharakter solcher Ereignisse, die Medienbegleitung vorab, die steigende Spannung eines gleichwohl äußerst skeptischen Publikums, der Run auf die Premiere bis hin zu den Bildern im RTL-Nachtjournal noch am selben Abend - all das ist am Ende wichtiger als das theaterästhetische Gelingen.

Mit der Kunstautonomie ist es ohnehin vorbei, wenn man sich darauf geeinigt hat, dass ein Werk wie das Houellebecqs den "Nerv" unserer Gegenwart berührt.

Dass die Premiere eine fade, überwiegend quälend zähe Angelegenheit war, ist fast egal

zu bedauern sind nur jene Zuschauer, die das nach der Premiere, im laufenden Spielbetrieb durchstehen müssen, für die der Event zum langweiligen Theaterabend schrumpft.

So roh und unbehauen, teilweise lieblos hat selbst Castorf schon lange kein Stück mehr auf die Bühne geworfen