Bücher, die fehlen Eine der faszinierendsten Gestalten der deutschen Linken war, kein Zweifel, Willi Münzenberg, der in den zwanziger Jahren ein imponierendes Imperium kommunistischer Verlage, Zeitungen, Zeitschriften und Filmproduktionen aus dem Boden stampfte. Sein geniales Talent für alle Aufgaben der Organisation und der Publizistik verschaffte ihm 1924 ein Mandat im Reichstag und 1927 einen Sitz im Zentralkomitee der Partei. Die persönlichen Beziehungen, die er während seiner Schweizer Jahre (von 1910 bis 1918) zu Lenin geknüpft hatte, verliehen ihm die höheren Weihen. 1933 emigrierte er nach Frankreich, und in Paris gab er das berühmte Braunbuch über den Reichstagsbrand heraus: der effektvollste Gegner des Naziregimes im Exil. Münzenberg sammelte die Weggenossen der Emigration in der Volksfront, die historische Distanz zur Sozialdemokratie überwindend. Seine Kritik an der totalitären Herrschaftstechnik der Sowjetmacht, zumal an den Schauprozessen, sorgten für seinen Ausschluss aus der KP. Von nun an kämpfte er, unter anderem mit Arthur Koestler, an zwei Fronten: gegen den Nazismus und gegen den Stalinismus. 1940 wurde er interniert. Im November jenes Jahres fand man seine Leiche bei Saint-Marcellin im Tal der Isère. Man vermutet, dass er von stalinistischen Häschern ermordet wurde. Die große Biografie, die das Abenteuer dieses Lebens verdient, wurde bis heute nicht geschrieben.