Die Atmosphäre ist nervös: Ist der Aufschwung in Deutschland vorbei, bevor er richtig begonnen hat? Sackende Börsen und, schlimmer noch, das Rezessionsgespenst aus Amerika rauben den Mut. Das zu einer Zeit, in der die Bundesregierung politische Taktik der Ordnungspolitik vorzieht.

Alan Greenspan, Chef der amerikanischen Notenbank, hält zwar dagegen. Aber die Stimmung im internationalen Finanzgeschäft wendet sich gegen die Vereinigten Staaten. Pessimisten geben den Ton an. Das amerikanische Wachstum ist im dritten Quartal auf deutsches Niveau gesunken. Und prompt rückt in den Mittelpunkt, was der Mainstream zuletzt vernachlässigte: Amerikas Wirtschaft lebt mehr denn je von ausländischem Kapital. Auch das Wort credit crunch macht in den USA die Runde: Private Haushalte wie Unternehmen drohen in die Zange von hohen Schulden und sinkenden Börsenkursen zu geraten. Statt nach einer Boom-Dekade weich auf dem Pfad geringeren Wachstums zu landen, könnte Amerika in die Rezession abstürzen.

Dann, so weiter im Schreckensszenario, ginge es der deutschen Wirtschaft an den Kragen, die sich von Amerikas Importnachfrage jahrelang ziehen ließ. Das Geschäfts- und Konsumklima zwischen Rhein und Elbe ist in den vergangenen Monaten schlechter geworden, der hohe Ölpreis drückt nach wie vor, und wenn jetzt die USA von der Lok zur Last werden, dann ...

Vorsicht! Schreckensszenarien sind um keinen Deut besser als Jubelarien. Ihre Gemeinsamkeiten: Beide Arten der Übertreibung rufen irgendwann heftige Gegenreaktionen hervor. Und weil die Konjunktur von den Erwartungen der Verbraucher, Anleger und Unternehmer abhängt, schlagen sie auf die Wirklichkeit durch.

Die Fakten allerdings geben das nicht her. Die Nachfrage in Amerika bricht bislang nicht ab, die Inflation ufert nicht aus, die Beschäftigung bleibt hoch, der neue Präsident kann dank des Haushaltsüberschusses die Wirtschaft stützen. Die Schulden der Verbraucher und Unternehmen sind zwar hart an der Grenze, aber noch werden fast alle Kredite bedient.

Die Deutschen werden 2001 dank der Eichelschen Steuerreform mehr Geld ausgeben können, die hiesigen Unternehmen investieren nach wie vor, und der Welthandel soll im kommenden Jahr um acht Prozent wachsen. Wägt man nur die Fakten, dürfte die hiesige Aufwärtsentwickung abflauen, nicht abbrechen.

Doch - und das ist ein ernstes "doch" - ist die Stimmung gespannt