Zu den unbegreiflichen Ereignissen der Kunstgeschichte gehört der Blutstrom, der sich aus dem Rumpf von Benvenuto Cellinis Medusa auf den Signorienplatz von Florenz ergießt. Der kraftvolle Leib der Gorgo dreht sich auf einem Kissen um den Schild der Athena, auf den der siegreiche Perseus, das Schwert vorgestreckt in der Rechten und das abgeschlagene Haupt des Monstrums in der erhobenen Linken, das Standbein setzt, während der linke Fuß den Körper der Geköpften wie tastend berührt. Das schlangenumzüngelte Gesicht der Medusa weist eine eigentümliche Ähnlichkeit mit dem des Perseus auf, über dessen Locken sich ein Drachenhelm erhebt, dessen Rückseite dem Kopf ein monströses Alter Ego verleiht.

Die überwältigende Schönheit der monumentalen Bronzegruppe des Perseus ist als Grund dafür gewertet worden, dass der Schrecken des Blutsturzes, der in späteren Jahrzehnten das Vorbild für die Gewaltbilder Caravaggios, Rembrandts und Jan Liss' abgab, von Beginn an toleriert wurde. Wie Michael Cole, ein junger amerikanischer Kunsthistoriker, in einem Artikel im Art Bulletin des vergangenen Jahres erschlossen hat, wurde in diesem Blutstrom aber mehr gesehen als nur die Überführung von Horror in Glanz

vielmehr wurde er von den Zeitgenossen als Zeichen der künstlerischen Evokation von Leben und Tod schlechthin gefeiert. Die Neueditionen von Cellinis Autobiografie und Jacques Laagers sorgfältige Übersetzung der Vita erlauben es, das Blut der Medusa jedoch so dicht mit Cellinis Persönlichkeit zu verbinden, dass es den Status der Metapher unterläuft. Der "ganz besondere Saft" der Gorgo zeugt von Cellinis bizarrer Existenz auf denkbar unmittelbare Weise.

Cellini gilt als Beispiel eines Künstlers, der die Ranghöhe der Herrscher erreicht habe. Für die Soziologie des künstlerischen Aufstieges klingt es überaus sprechend, wenn der französische König ihn etwa mit mon ami anredete oder die ungewöhnliche Vertrautheit zwischen ihnen auf andere Weise bewies.

Die spielerisch betonte Egalität zwischen dem Herrscher und dem Künstler wirkt jedoch fast nichtssagend harmlos angesichts der Abgründe, über denen Cellini sich bewegte. Seine Gefährdung verdeutlicht exemplarisch ein Disput am französischen Hof darüber, wie er im Land zu halten sei. Als Franz I.

vorschlägt, ihn hängen zu lassen, war dies zunächst ein Scherz, aber angesichts dessen, dass Cellinis Intimfeindin Madame d'Étampes bekräftigte, dass er genau dies verdiene, wird ihm das Lachen gefroren sein. Die Entgegnung des Königs, dass Cellini erst gehenkt werden solle, wenn der Baron von Saint-Paul einen Ersatz für ihn gefunden habe, trieb das Spiel mit der Einzigartigkeit des Künstlers auf eine gefährliche Spitze.

Cellinis größter Feind war seine eigene Gewalt. Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, so berichtet er in seiner Autobiografie, habe er drei Morde begangen.