"Auf die Dauer ist kein Verlaß:", schrieb Peter Handke in seinem Gedicht an die Dauer, "Nicht einmal der Fromme, / der täglich zur Messe geht, / nicht einmal der Geduldige, der Künstler des Wartens, / kann ihrer ein Leben lang sicher sein. / Zu wissen glaube ich, / daß sie möglich nur wird, / wenn es gelingt, / bei meiner Sache zu bleiben."

Die Dauer, die der Dichter ersehnt, ist heutzutage ein rares Gut. Das Prinzip des beschleunigten Wandels und Wechsels dringt bis in die fernsten Winkel unseres Lebens und belegt alles, was von Dauer scheint, mit dem Verdacht des Unzeitgemäßen, Verstaubten. Der Markt lässt keinen Stein auf dem andern, keinen Mann an seinem Platz. Geduld ist die Stieftochter der Raffgier.

Jede Beschleunigung vergrößert das Gewicht des Bleibenden. Kürzlich konnte man den Verleger Siegfried Unseld im Gespräch mit Günter Gaus bewundern. Was er sagte, war nicht neu. Es bekam Bedeutung dadurch, dass er es so oft gesagt hat: Der Autor steht über dem Verleger, und dessen wichtigste Tugenden sind Treue und Geduld. Damit hat Unseld den Suhrkamp Verlag groß gemacht.

Jetzt hat er sich von Christoph Buchwald getrennt. Buchwald war nach dem Sohn Joachim, nach Gottfried Honnefelder und Thedel von Wallmoden der vierte Mann, der den Verlag leiten und womöglich übernehmen sollte. Was der große und naive Unseld nicht zu wissen schien: Es kann, so lange der Patriarch lebt, keiner ihn ersetzen. Und wenn er nicht mehr lebt, wird es eine Siegfried Unseld-Stiftung geben, geleitet von seiner Frau Ulla Berkéwicz, gesichert durch Unselds Privatvermögen und die Gesellschafteranteile. Bis dahin wird ER es machen, zusammen mit Günter Berg, Rainer Weiss und Hans-Joachim Simm. Die drei wissen, was sie an dem Alten haben.

Alles bleibt, wie es war. Unseld, dieses Monument der Dauer, ist auch deshalb groß, weil sich der Literaturbetrieb um ihn herum immer schneller dreht. Dass einer, der mit Johnson und Koeppen, mit Brecht und Joyce befreundet war, immer noch da ist und nicht längst schon aufgekauft wurde, das allein schon lässt ihn herausragen aus dem Strom des Kommens und Gehens in deutschen Verlagen. Ihm gelang es, bei seiner Sache zu bleiben. Aber nicht allein ihm.

Denn man vergisst allzu leicht, wie viele Verlage es noch gibt, die von Verlegerpersönlichkeiten gegründet und geleitet werden, manchmal seit Generationen. C. H. Beck etwa (nunmehr 237 Jahre alt) oder Vittorio Klostermann oder Felix Meiner. Oder Klaus Wagenbach oder Antje Kunstmann. Sie sind Künstler des Wartens, bleibend bei ihrer Sache, auch wenn auf die Dauer kein Verlass ist.