Wer die Nachrichten verfolgt, kommt im Augenblick bestimmt nicht auf die Idee, den nächsten Urlaub im Heiligen Land zu verbringen. Und diejenigen, die bereits gebucht haben, sagen wieder ab: 600 000 Besucher stornierten ihre Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete. Die Leute haben das Gefühl, dass hier alles gefährlich ist, sagt die israelische Touristenführerin Schoschana Wagner, die Pilgergruppen aus Deutschland betreut. Die ersten Faxe mit Absagen kamen Ende September, und bis zum Frühjahr liegt erst einmal alles still.

Für Israelis wie für Palästinenser sollte 2000 ein Rekordjahr werden

die Rede war von drei bis vier Millionen Besuchern. Um für den Ansturm gerüstet zu sein, schossen überall Hotels aus dem Boden, die nun fast alle leer stehen. Die Verluste für den palästinensischen Tourismus sind dabei vergleichsweise höher als Israels Einbußen. Immerhin erzielen die autonom verwalteten Gebiete den Löwenanteil ihrer Einkünfte aus dem Tourismus. Für das Heilige Jahr wurde kräftig investiert: Erst vor kurzem feierte das feudale Intercontinental in Bethlehem Eröffnung. Das lokale Personal aber bekam noch kaum Gelegenheit, mit richtigen Gästen umzugehen. Die Bilder von den blutigen Unruhen schrecken ab.

Das offizielle Festkomitee Bethlehem 2000, das mit einem eigenen palästinensischen Minister einen Veranstaltungsreigen von Weihnachten 1999 bis Ostern 2001 geplant hatte, muss sich umstellen. Viele unserer Aktivitäten, darunter auch eine Unesco-Konferenz, wurden abgesagt oder verschoben, deshalb kümmern wir uns mit einem alternativen Programm verstärkt um unsere eigene Bevölkerung, wie zum Beispiel um Kinder in den Flüchtlingslagern, sagt Jumana Abbas vom Komitee Bethlehem 2000. Trotz allem aber soll auch in diesem Jahr das Weihnachtsfest in der Geburtsstadt Jesu nicht ausfallen. Bei Bethlehem 2000 setzt man dabei aber eher auf international gesponserte Solidaritätsveranstaltungen als auf traditionelle Pilgergruppen.

Wann diese zurückkehren werden, weiß derzeit niemand. Die Gondeln der nagelneuen palästinensischen Drahtseilbahn, die zum Berg der Versuchung in Jericho hinaufführt, stehen seit mehren Wochen still. Das nahe gelegene Kasino Oasis, das von spielsüchtigen Tel Avivern rund um die Uhr besucht worden war, hat geschlossen. Das Kasino mit den palästinensischen Croupiers und den israelischen Kunden galt als ein symbolischer Gradmesser für den Frieden im Nahen Osten: Solange es funktionierte, konnte es mit den Krisen nicht so schlimm sein. Jetzt sind Einschusslöcher in der Fassade zu sehen.

Allein der Tourismus am Toten Meer und in Eilat, in sicherer Distanz zu den Konfliktzonen, funktioniert wie gehabt. An beiden Orten sind bis Ende November internationale Konferenzen über Tourismusmarketing geplant.

Gestrichen wurde aber eine israelische Werbekampagne in Deutschland, die in diesem Monat hätte starten sollen. Bei Anhalten des Konflikts, heißt es im Staatlichen Israelischen Verkehrsbüro in Frankfurt, sei die ursprüngliche Prognose, die Zahl der deutschen Urlauber bis zum Jahr 2003 auf jährlich rund 400 000 zu verdoppeln, unrealistisch. Mindestens ein Jahr wird es brauchen, bis sich der Markt wieder erholt, außer es gibt doch noch bald ein Abkommen, glaubt die Reiseleiterin Schoschana Wagner. Im Tourismus, fügt sie hinzu, seien Israelis und Palästinenser wie siamesische Zwillinge, wenn es denen schlecht geht, dann auch uns.