Wolf von Niebelschütz starb viel zu jung, 1960 47-jährig, man weiß wirklich nicht, was für herrliche Sachen er noch geschrieben hätte. 1949 hatte er, fast tausendseitig, den Blauen Kammerherrn herausgebracht, in Form eines sehr einfallsreichen politisch-utopischen Romans eine Apotheose des Barocks, der Schönheit, der Jugend, aber auch der Staatsklugheit, der Staatsräson - man ahnt ein bisschen was davon, wie viel Intensität man auf das Leben verwenden konnte, als man noch nicht dafür verantwortlich war, wer einen regierte (o Fluch der Demokratie!).

Und auch die alten Götter mischen sich da völlig unverantwortlich ein, der Titelheld ist ja so einer: auch dies ein kluger Zug des Romanciers, der nur so seine Diana so hinreißend und immer hinreißender werdend durchs Buch bringen kann - ehe dann alle diese Götter die Erde endgültig verlassen.

Schöne kluge Frauen, die viele von uns kennen, haben als junge Dinger dieses Buch gelesen, und es hat sie gefördert, das muss man sagen. Sie müssen es nicht wiederlesen, es quillt, besonders anfangs, fast über von unnötigen Manierismen und Pretiositäten, offenbar hatte Niebelschütz auch viel aus Manns Josephsromanen zu lernen versucht

aber wo er sich dann freigeschrieben hat, immer wieder, da ist er großartig.

Und dann, zehn Jahre später, Die Kinder der Finsternis, ein Mittelalter-Roman, spielend im 12. Jahrhundert in der Provence, einem wilden Land bei Niebelschütz, ungezähmt, fast menschenfeindlich - so kann sie ja wirklich sein, wenn man sie dort aufsucht, wo die Hotels nicht mehr stehn.

Und wenn der Wüstenwind den Sand aus Afrika über das Land wirft, dann begreift man sehr gut, dass Niebelschütz in seinem Buch die Türken gleich hinter den Grenzen Kelguriens wohnen lässt.

Kelgurien, so nennt er dieses Land, Les Beaux nennt er Ortaffa, Arles Roda, Avignon Lorda, Aix-en-Provence Cormons