In seinem Buch Drehtage hat er eine kleine Szene beschrieben, eine Störung beim Filmen in Amerika: "Der erste Geiger versucht einen Nieser zu vermeiden, der Mund bleibt geschlossen, ab nun ist nichts mehr zu erwarten. Und dann plötzlich aus heiterem Himmel, eine Explosion. Die Brille fliegt vom Gesicht, so unangemeldet hat man noch keinen Nieser kommen sehen.

Die anderen Geiger, die stumm lachen, wackelnde Bäuche. Warum hat man das nicht gedreht?"

Ja, warum nicht? Vielleicht, weil dies außer Armin Mueller-Stahl keiner der Filmleute so wahrgenommen hat. Und weil es keiner später so haarspitzengenau zu Papier bringt.

Schauspieler, Schriftsteller, Maler, auch Geiger können unmöglich gut sein ohne die Gabe des genauen Beobachtens und Hinhörens. Bei Herrschern galten immer die Äffchen als besonders klug: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Für den Bürger Armin Mueller-Stahl galt immer: Genau sehen, genau hören, genau mitteilen. Er ist Geiger, Maler, Schriftsteller und Schauspieler. Kann man erzählen, was hinter solch wacher Vielbegabung steckt?

Ja, man kann. Gabriele Michel beweist es in ihrer Biografie dieses bedeutenden deutschen Künstlers.

Also, wenn dieser hoch begabte Geiger unbedingt Schauspieler werden will, dann soll er doch, zumal er dafür mindestens so begabt ist wie fürs Geigen, und wenn dieser junge Theatermann nun auch noch unbedingt malen will, soll er doch, gerade weil er fürs Sehen ähnlich begabt ist wie fürs Hören. Und wenn er dann das alles noch aufschreiben will, soll er doch. Schreiben kann er auch.

Der Armin Mueller-Stahl, den wir in den großen Filmen gesehen und bewundert haben, dessen Zuhörer und Zuschauer wir waren und sind, ist selbst zuerst und vor allem ein Zuhörer, Zuschauer, Beschreiber, er ist, was er sich von uns wünscht, wenn wir seinetwegen ins Kino gehen. Jetzt, am 17. Dezember, geht ihm wieder ein Jahrzehnt durch die Lappen. Aufhebens davon machen? Bloß nicht.