Den Verantwortlichen von ARD und ZDF müssen jüngst die Ohren geklungen haben.

Ausgerechnet eine Zunft, die vor allem dem Privatfernsehen zugetan ist, outet sich als Fan der öffentlichrechtlichen Anstalten: die Markenindustrie. Johann C. Lindenberg, Chef der Deutschen Unilever in Hamburg und Vorsitzender des Markenverbandes, plädierte auf einer Tagung der Werbungtreibenden für "eine eindeutige Stärkung des öffentlich-rechtlichen Programmprofils". Ganz uneigennützig freilich ist die Sympathiebezeugung nicht. Denn in diesem Jahr ist für Markenindustrie der GAU eingetreten. Die Übernahme der ProSieben-Gruppe durch Kirch hat zur Folge, dass es aufseiten der Privaten nur noch zwei Senderfamilien gibt: die Kirch-Gruppe mit den Sendern Sat.1, ProSieben, Kabel 1, N 24 und DSF sowie die von Bertelsmann beherrschte RTL-Familie (RTL, RTL 2, Super RTL und Vox). Zusammen beherrschen sie klar den TV-Werbemarkt, und das habe schon jetzt, so Lindenberg, zu "verdeckten Preiserhöhungen" geführt. Gravierender für die Werbebranche ist jedoch, dass rund 45 Prozent aller Zuschauer nach 20 Uhr für sie gar nicht erreichbar sind. Ein Publikum obendrein, das vor 20 Uhr und bei den Privaten eher selten fernsieht. Lindenbergs Forderung an die für die Rundfunkgesetzgebung zuständigen Ministerpräsidenten: das Werbeangebot der öffentlich-rechtlichen Sender auszubauen.