Das Ende der Welt riecht nach Schweinefett. Schnuppere mal an der Halskette!

Ich habe sie einer Dani-Frau abgekauft, so heißt das Volk im Hochland West-Papuas, in Indonesiens größter, einsamster und wildester Provinz. Wamena ist der Name der einzigen Stadt dort und bedeutet Wo man mit den Schweinen geht. Schweine sind sehr wichtig im Leben der Dani. Sie verhelfen zu Ehre, guten Frauen und satten Bäuchen. Und wenn sie eins schlachten, wird das Fett als Haut- und Haarcreme benutzt - gegen die Sonne am Tag und die Kälte in der Nacht. Und alles, was man anfasst, riecht dann nach Schwein, wie auch diese kurze Halskette. Sie ist aus Rotang geflochten, den roten Lianen der Kletterpalme, die 160 Meter lang werden kann und sich überall im Bergregenwald um hohe Stützbäume windet. Rings um den dünnen Strang hat die Dani-Frau Hiobstränen genäht, so nennen sie die Samen des Coix-Strauches.

Kleine Kerne in Mokkabraun und Taubengrau. Und in der Mitte hängen zwei weiße Kaurimuscheln. Die galten in Asien noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als reguläres Zahlungsmittel. Vielleicht war diese Kette früher 10 Kauris wert, heute kostet sie 12 000 Rupiah, das sind ungefähr 3 Mark. Das Dorf, wo ich sie gekauft habe, liegt in der Nähe Wamenas und heißt Sompaima. Eigentlich ist es ein Weiler, wie die Ansammlung von Rundhütten bei den Dani genannt wird. Ich wollte mir dort die Häuptlingsmumie angucken. Die wird im Männerhaus aufbewahrt, das ich als Frau ja nicht betreten darf. Und während ich darauf gewartet habe, dass man sie vorsichtig ins Freie holt, hat mir die Frau diese Kette gezeigt. Als ich später zum Mittagessen in Wamena war, wo professionell Handel getrieben wird, wurde mir auf dem Markt wieder eine Kette angeboten. Doppelt so teuer. Da habe ich mich gefreut: Schwein gehabt in Sompaima!