Sie haben die Macht. Etwas von jener übersinnlichen Kraft, dank der in George Lucas' Science-Fiction-Epos Star Wars durch eine Handbewegung Steine, Androiden und ganze Raumschiffe schweben, ist in unsere Welt herübergeschwappt. Nach Pennsylvania zum Beispiel. Für nur 300 Dollar haben dort ein paar Star Wars-Fans einen knapp vierminütigen Film gedreht. Mit allem, was auch Lucas' letztes, 115 Millionen Dollar teures Spektakel aufbot: Lichtschwertern, Raumgleitern und Laserpistolen. Rechenkraft ist so billig geworden, dass sich recht solide Spezialeffekte heute auch auf gewöhnlichen Heimcomputern zaubern lassen. Und über das Internet erreichen die so erzeugten Hobbyfilme ein potenzielles Millionenpublikum. Fan Wars ist einer von fast 50 Kurzfilmen, die kostenlos auf den Seiten der Fangemeinschaft theforce.net zu sehen sind. "Vor fünf Jahren war diese Szene so nicht möglich", betont Regisseur Josh Rubinstein.

Die Geschichte von Fan Wars ist schnell erzählt: Szene für Szene dem Trailer zu Star Wars - Episode I nachgestellt, erzählt Rubinstein, wie eine Gruppe von Fans sich aufmacht, ein Kino zu stürmen, um an eigentlich ausgebuchte Premierenplätze beim neuen Lucas-Film zu kommen. Nur sind diese Fans mit Weltraumwaffen ausgestattet. Heldenhaft verteidigt eine andere Gruppe den Kinosaal.

Sosehr man dem Stück auch ansieht, dass es mit einer billigen Kamera aufgezeichnet wurde, so viel erzählen die wenigen Minuten über die Zukunft des Films. "Mit ein wenig Geld und viel Arbeit kann heute jeder Fan-Film professionell aussehen", sagt Rubinstein. Computerkids in ausgewaschenen Jeansjacken und Karohemden werden zu Filmhelden. Die digitale Demokratisierung, die vor einigen Jahren erst die Schöpfung eigener Druckerzeugnisse und dann die Umwandlung des Wohnzimmers in ein Tonstudio ermöglichte, erreicht nun die Filmproduktion. Besonders seit das digitale Videoformat die einfache Bearbeitung der Filme auf jedem handelsüblichen PC ermöglicht, erblüht eine junge Szene von Hobbyfilmern, die auf ihren Computern Dinge realisieren, für die früher ganze Rechnerparks nötig waren.

Der auch im Internet verfügbare Kurzfilm 405 etwa zeigt, wie in Los Angeles ein Jumbo auf dem Highway 405 landet und ein Autofahrer dem Ungetüm zu entkommen versucht. Das Ganze sieht aus wie eine Potenzierung von Speed - hat aber nichts als Rechenzeit und ein paar Flugzeugfotos gekostet.

Digitale Technik ermöglicht einen Autor, der zugleich Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, Kameramann und Schauspieler ist und seine Filme per Internet auch noch selbst vertreibt. Schon heute gibt es Tausende dieser Clips im Netz - von Actionfilmen mit Kaffeebohnen bis zum Leben eines schwulen Legomännchens.

Die Filmer von der Basis, nun selbst ausgestattet mit den nötigen Produktionsmitteln, haben wenig Respekt vor ihren großen Vorbildern. In The Award Showdown endet die Oscar-Verleihung an George Lucas und Steven Spielberg für ihr Lebenswerk mit einem Lichtschwertduell der beiden Giganten, die von putzigen, mit Acrylfarbe bemalten Knetfiguren dargestellt werden.

1900 Dollar hat der Film gekostet - inklusive der Hi-8-Kamera und der nötigen Animationssoftware.