Kunstraub ist ein knallhartes Geschäft: An der Fassade des feinen Londoner Sir John Soane's Museums nahe der St.-Paul's-Kathedrale sind immer noch die Einschläge von Gewehrsalven zu sehen, mit denen sich Mitte der neunziger Jahre zwei Gangster Zugang zu dem wertvollen Gemäldezyklus The Rake's Progress von William Hogarth verschaffen wollten.

Eleganter legte im Sommer 1999 ein italienischer Krimineller eine Gruppe von internationalen Kunsthändlern herein - er mietete einen Palazzo in Venedig und lud sie und ihre kostbare Ware unter dem Vorwand von Kaufinteresse ein.

Über Nacht waren grafische Blätter von Albrecht Dürer, Canaletto und Tiepolo im Gesamtwert von 1,6 Millionen Mark verschwunden.

Jährlich werden derzeit Kunstwerke in Höhe von schätzungsweise sieben Milliarden Mark weltweit entwendet, wobei die Dunkelziffer noch höhere Größenordnungen vermuten lässt und sich längst im Bereich des Waffen- und Drogenhandels bewegt und mit ihnen verbrüdert hat. "Hot art, cold cash" kommentiert der Scotland-Yard-Detektiv Charles Hill die Situation.

Bereits 1969 wollten sich private Sammler in den USA die Selbstbedienungsmentalität der Diebe und die Hilflosigkeit öffentlicher Stellen nicht mehr bieten lassen und gründeten ein zentrales Register für Kunstdiebstähle, die International Foundation of Art Research. Im kommenden Februar feiert nun das daraus hervorgegangene Art Loss Register (ALR) sein zehnjähriges Jubiläum.

Die weltweit größte private Datenbank mit Stammsitz in London und Filialen in New York, Köln und Sankt Petersburg, ist über das Internet (www.artloss.com) öffentlich zugänglich. Jeder Bestohlene kann dort Gemälde, Skulpturen, Antiquitäten im Wert ab 2500 DM über das ALR einspeisen und befindet sich dann in guter Gesellschaft mit 300 geklauten Picassos, 234 Chagalls, 271 Mirós und 124 Dürers - insgesamt 100 000 Werken.

Bisher konnten pro Jahr Werke im Wert von zwischen 20 bis 47 Millionen Mark von den rund 30 Mitarbeitern des Art Loss Registers aufgespürt und den rechtmäßigen Besitzern gegen eine Erfolgsprovision bis zu 15 Prozent ausgehändigt werden. ALR wird von Versicherungen wie der Hogg Group, Lloyds, Axa Nordstern und den Auktionshäusern Sotheby's und Christie's als Aktionären getragen - durchaus auch im eigenen Interesse.