Den billigen Kaufhof-Look aus den siebziger Jahren muss man einfach mal ignorieren. Und mit keinem Blick den beigefarbenen Bodenbelag aus Linoleum würdigen. Man sollte keinen Basar erwarten, keine Teppichhändler und auch kein Tee trinkendes Verkaufspersonal. Der Weg sollte direkt nach unten in die Lebensmittelabteilung führen.

In der gerade eröffneten Ludwigshafener Filiale der türkischen Kaufhauskette Yimpas zeigt sich erst im Basement der Unterschied zu einem deutschen Geschäft. An der Fleischtheke dreht sich alles um Lammfleisch und Geflügel.

Tee, Reis und Jogurt werden in Riesenpackungen angeboten, die Käufer sonst nur in Metro-Großmärkten finden. In normalen deutschen Warenhäusern denkt man eben nicht an türkische Großfamilien. Yimpas macht ihnen dagegen gute Angebote: Da gibt es zum Beispiel fünf Kilo Reis für 7,99 Mark, fünf Kilo Gurken zum gleichen Preis und zehn Kilo Jogurt für 18 Mark.

Die Maggi-Tütensuppen stammen übrigens aus türkischer Produktion, es gibt aber auch Valensina, Nutella aus deutschen Landen und sogar Rivella-Kräuterlimo aus der Schweiz. "Fifty-fifty ist das Verhältnis, das wir anstreben", sagt Yimpas-Berater Roland Ohl und meint damit nicht nur die Mischung aus deutschen und türkischen Produkten, sondern auch das deutsch-türkische Verhältnis von Kunden und Mitarbeitern. Diese Mischung ist die Marktlücke, und sie entspricht dem Lebensgefühl vieler hier lebender Türken.

Mehr als zwei Millionen türkische Staatsbürger wohnen in Deutschland, doch ihren Einkaufsgewohnheiten kamen bisher nur die vielen Gemüse- und Lebensmittelläden ihrer eigenen Landsleute entgegen - kleine Familienbetriebe mit begrenztem Angebot. Bei Yimpas gibt es die typischen Lebensmittel auf viel größerer Fläche und dazu Möbel, Textilien und Elektrogeräte.

Wie sehr ein solches Angebot offenbar fehlte, zeigt die Eröffnung der Ludwigshafener Filiale im zentral gelegenen Rathaus-Center. Ein Verkehrschaos legte die City lahm. Die türkische Live-Musik lockte nicht nur die potenziellen türkischen Kunden, sondern auch die Lokalpolitiker quer durch alle Parteien sowie Vertreter des Einzelhandelsverbandes. Yimpas lässt auf eine Belebung der verödeten Ludwigshafener Innenstadt hoffen, die von der Konkurrenz der Shopping-Center auf der grünen Wiese bereits reichlich mitgenommen wirkt. "Wir gehen dahin, wo andere Konzerne aufgegeben haben", sagt denn auch Faik Gürtler, der Yimpas-Geschäftsführer in Deutschland. In Ludwigshafen zum Beispiel siedelte sich das türkische Unternehmen in einer ehemaligen Kaufhof-Filiale an.

In der Türkei ist Yimpas mit 50 Niederlassungen in sehr westlichem Stil eine der führenden Kaufhausketten, in Deutschland fingen die Anatolier im November 1995 mit einem Warenhaus in Offenbach an. Es folgten Duisburg, Hamm, Heidelberg, Sindelfingen, zweimal Köln, Lörrach und schließlich Ludwigshafen.