Ein Traum ist aus. Thomas Haffa, der Gründer von EMTV, hat seine Selbstständigkeit an den Mann verloren, den er seinen "unternehmerischen Ziehvater" nennt. Die Rede ist von Leo Kirch, der seit ein paar Tagen gut 25 Prozent der Stimmrechte besitzt. Das reicht - ohne Kirch läuft bei dem Münchner Medienunternehmen EMTV gar nichts mehr.

Damit ist auch die Chance vorbei, dass sich ein neuer, unabhängiger Zulieferer für deutsche und internationale Fernsehkanäle etabliert.

Stattdessen erreicht die Konzentration auf dem deutschen Fernsehmarkt eine neue Dimension. Kirch verstärkt seine überragende, zum Teil sogar dominante Position gleich an drei Märkten, die von Medienpolitikern und Kartellwächtern bisher wenig beachtet werden: die Vermarktung von TV-Rechten an Serien, Filmen, Shows, Konzerten oder Sportveranstaltungen, die Fernsehproduktion sowie der Verkauf von Fanartikeln - von Formel-1-T-Shirts bis zu den Puppen Kermit und Miss Piggy.

Die Brüder Thomas und Florian Haffa müssen verkaufen, weil sie sich schlicht übernommen haben. Die Gewinne aus dem eigenen Geschäft und die Überschüsse der Neuerwerbungen stiegen nicht im erhofften Maß. Infolgedessen wird das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im Jahr 2000 nicht 525 Millionen Mark betragen wie vorhergesagt, sondern höchstens 50 Millionen Mark. Damit drohte die Gefahr, dass die Zinsen für Kredite und Anleihen das Unternehmen in den nächsten Monaten erdrücken. Das Spiel war aus.

Innerhalb von drei Jahren haben Thomas und Florian Haffa versucht, aus einem mittelständischen Merchandising-Unternehmen, das einige Rechte für die Vermarktung von Kinderserien im Fernsehen besitzt, einen weltweit erfolgreichen Medienkonzern zu formen ("Wir wollen größer werden als Disney"). Sie kaufen und kaufen, angetrieben und angelockt von einem Börsenkurs am Neuen Markt, der zum Teil 30 000 Prozent über dem Ausgabekurs liegt. Brauchen sie Geld, geben sie neue Aktien aus oder legen eine Anleihe auf. Rund acht Milliarden Mark, zumeist in bar, gehen durch ihre Hände: Am Ende gehören ihnen die amerikanische Henson Company mit Rechten an den Muppets und der Sesamstraße, 25 Prozent an der Constantin Film von Bernd Eichinger und 45 Prozent an der Tele-München-Gruppe von Herbert Kloiber, der als zweitgrößter Händler für Filmrechte nach Leo Kirch gilt.

Das größte Geschäft ihres Lebens glauben die Haffas zu machen, als ihnen Bernie Ecclestone, der 70 Jahre alte Organisator und Vermarkter der Formel-1-Autorennen, 50 Prozent seiner Unternehmensgruppe abtritt. Die gleich mit verhandelte Option auf weitere 25 Prozent garantiert dem Briten noch einmal fast zwei Milliarden Mark. Das Besondere an dem Geschäft: Wenn die Haffas die Option nicht ziehen, darf Ecclestone die Brüder im kommenden Jahr zwingen, die 25 Prozent zu übernehmen. Spätestens die Zinsen für den dafür notwendigen Kredit könnten die Haffas kaum mehr bezahlen. Solche Lasten scheinen Kirch nicht zu erdrücken. Er übernimmt fast die Hälfte des Formel-1-Pakets.

Mit der Liaison von Thomas Haffa und Kirch bekommt das Geraune neue Nahrung, Haffa sei schon immer ein Kirch-Mann gewesen. Tatsache ist, dass Thomas Haffa bis 1989 für Kirch arbeitet, den Konzern dann verlässt und EMTV gründet. Acht Jahre später werden die Haffa-Brüder für Kirch als Geschäftspartner interessant, weil sie zu den Stars am Neuen Markt zählen und er mit ihnen Geld verdienen kann.