Unbestreitbar ist es Schröder in diesem Jahr gelungen, den Begriff "Medienkanzler" umzudrehen. Vor einem Jahr hieß "Medienkanzlerschaft" Mangel an Substanz und Visionsdefizit. Jetzt verbinden sich mit dem Wort Führungsstärke, Instinktsicherheit und sogar etwas wie Volksnähe.

Holzmann-Intervention, Green card und der öffentliche Ekel vor dem Tiermehl - Schröder hat sich die eigentliche Quelle (oder Fiktion) des Charisma erschlossen: Das Regieren aus dem persönlichen Common Sense heraus.

Jetzt aber ziehen über der Medienkanzlerschaft die Sturmwolken auf. Das Tief hat einen Namen: die Änderung des Urheberschutzgesetzes, als "Professorenentwurf" bekannt.

Die Ministerin Herta Däubler-Gmelin will den Entwurf mit ihrer auch im eigenen Hause gefürchteten Vehemenz durchziehen. Versprochen werden der "lückenlose Urheberschutz" (Däubler-Gmelin) und der Anspruch auf "angemessene Vergütung", eine ersehnte Verheißung für die kaum zählbaren unterbezahlten geistigen Urheber in unserem Lande. Die Vergütung soll rechtlich geregelt und letztlich von einer unabhängigen Schiedskommission beim Bundespatentamt entschieden werden. Die Frontfigur der sozialdemokratischen Intellektuellen, Klaus Staeck, hat dies begeistert begrüßt - ein Frühwarnzeichen. Schon laufen die Verleger und Medienkonzerne im Kanzleramt Sturm gegen den nationalen Parforceritt in einer globalen Mediengesellschaft. Sie sehen die Vertragsfreiheit, ja den Medienstandort Deutschland in Gefahr. Die Finanzierung von Filmen sei nicht mehr möglich, wenn Autoren per Gesetz über den final cut entscheiden könnten. Kurzum: Hier werde das Urheberrecht zum "Objekt von Gerechtigkeitsfantasien".

Schröder reagierte, bremste das Tempo seiner Ministerin. Nicht an diesem Mittwoch, sondern erst eine Woche später, bei Anwesenheit des Kanzlers, soll der Entwurf im Kabinett behandelt werden. Wird der Entwurf nun auch Chefsache? Ein Dilemma. Gegen die Medien wird Schröder nicht regieren. Aber Krieg mit Staecks Truppen? Jedenfalls wird der Medienkanzler es mit dem Common Sense da nicht so einfach haben wie mit dem "Unsinn" vom Tiermehl für Planzenfresser.