Märchenhelden.

Wenn man über die italienischen Carabinieri berichtet, geht es nicht ohne Witze ab. Die Carabinieri wissen es ja selbst: Sie sind das beliebteste Spottobjekt des Volkes, ganz nett zwar, aber alles in allem ungebildet und etwas dümmlich. Deshalb haben sie nun eine bislang beispiellose Imagekampagne gestartet. Rechtzeitig zur Weihnachtszeit haben sie populäre Märchen umschreiben lassen. So wird Alice im Wunderland nun von einem fallschirmspringenden Carabinieri gerettet. Und in Rotkäppchen taucht plötzlich ein Polizist in schwarz-roter Uniform auf, der das bedrohte Mädchen im letzten Moment rettet. Er verhaftet den Wolf mit blinkenden, laut zuschnappenden Handschellen. Wenn das nur ohne Witze abgeht.

Die Ehre des Dr. Ibrahim.

Fast ein Jahr lang hat das thüringische Jena mit sich und um die Ehrenbürgerwürde für Dr. Jussuf Ibrahim gerungen (ZEIT Nr. 12 und 18/00). Der Gründer und langjährige Leiter der Jenaer Kinderklinik ist in der Stadt hoch angesehen, eine Straße ist nach ihm benannt, ein Denkmal gesetzt. Doch eine Historikerkommission belegte, dass er im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nazis behinderte Kinder in den Tod geschickt hat. Unter Hitler bekam Ibrahim das Kriegsverdienstkreuz, in der DDR war er "Verdienter Arzt des Volkes" - eine "Fallstudie für das opportunistische Mitgehen eines Mediziners mit dem vermeintlichen Zeitgeist, aber kein Vorbild für eine Stadt", wie ein Mitglied der Kommission meinte. Die Debatte brandete hin und her zwischen Kritikern und Relativierern. Ein vorsichtig formulierter Antrag, Ibrahim "nicht mehr als Ehrenbürger zu betrachten", fand im Stadtrat keine Zweidrittelmehrheit.

Ein Bescheid des Thüringer Landesverwaltungsamtes hat nun dem Streit ein Ende gesetzt. Für den Stadtratsbeschluss habe die einfache Mehrheit ausgereicht.

Und übrigens ende laut Landesrecht eine Ehrenbürgerschaft mit dem Ableben der Person. Jussuf Ibrahim ist seit 1953 tot.