Ferenc Fornadi konnte es kaum fassen. Natürlich hatte der angehende Neurologe an der Budapester Semmelweis-Universität von der amerikanischen Wunderdroge L-Dopa gegen die Parkinson-Krankheit gehört. Aber jetzt, wo er den Effekt bei den eigenen Patienten sah, war das etwas anderes. Wie in dem Bestseller Awakenings des Neurologen Oliver Sacks sei es in Budapest zugegangen. Völlig erstarrte Parkinson-Kranke konnten wieder gehen, die Mienen der ausdruckslosen Gesichter hellten sich auf, und Patienten, die in einen tiefen Dämmerzustand versunken zu sein schienen, formulierten plötzlich glasklare Gedanken. "Die Wirkung war verblüffend", sagt Fornadi, "es war der Durchbruch."

Das war vor 31 Jahren.

Inzwischen hat der Spätaussiedler Fornadi vier Parkinson-Kliniken in Deutschland gegründet und leitet heute sein eigenes Krankenhaus, die Gertrudis-Klinik in Leun-Biskirchen, 60 Kilometer von Frankfurt. Das Geschäft geht gut, zurzeit wird angebaut, doch der damalige Behandlungserfolg hat sich als trügerisch erwiesen. "Am Anfang erleben die Patienten die so genannte Honeymoon-Phase", sagt Fornadi, "die Symptome verschwinden, und sie glauben, sie seien geheilt." Aber in der Tiefe des Hirns sterben die Nervenzellen weiter. Eine endgültige Heilung der "Schüttellähmung", an der allein in Deutschland 250 000 Menschen leiden, ist bis heute nicht möglich.

Dennoch hat sich das Bild der Parkinson-Krankheit, für deren Erforschung am kommenden Sonntag der Medizinnobelpreis verliehen wird, erheblich verändert.

Das ist nicht zuletzt das Verdienst jenes Mannes, der nun in Stockholm ausgezeichnet wird: Arvid Carlsson. Der schwedische Physiologe entdeckte in den fünfziger Jahren als Erster, dass die Bewegungsstarre und das unkontrollierte Gliederzittern der Parkinson-Kranken auf einen Mangel des Nervenbotenstoffes Dopamin zurückzuführen ist. Die Ursache ist ein massenhaftes Absterben von Zellen in der so genannten Substantia nigra, einem schwarz gefärbten Zellhaufen im Mittelhirn. Seit dieser Erkenntnis suchen die Ärzte verzweifelt nach einem Heilmittel, feiern dabei immer wieder großartige Erfolge - und müssen ebenso oft mit ansehen, wie sich diese in Enttäuschungen verwandeln.

Zwar hat sich aus der lebensbedrohlichen Krankheit inzwischen ein beherrschbares Leiden entwickelt, doch der Sieg geht mit schweren Nebenwirkungen einher. Kürzlich mussten zum Beispiel die Hersteller der Parkinson-Mittel Pramipexol und Ropinirol in den Beipackzetteln vor einem ungewöhnlichen Nebeneffekt der Therapie warnen. Weil es möglich sei, dass die Menschen mit dem Mittel spontan einschliefen, dürften sie kein Auto lenken.

In den USA waren bereits 17 Patienten in den Graben gefahren.