Was nützt es, wenn, wie Sie schreiben, 85 Prozent der Öffentlichkeit von den Lehrern sozialpädagogische und therapeutische Kompetenz erwarten, aber gleichzeitig beispielsweise in Hamburg zu Beginn dieses Schuljahres die Hälfte der Beratungslehrerstunden weggekürzt wurden.

Was hilft es, wenn Eltern immer mehr Erziehungsaufgaben an die Schule verlagert haben möchten, es andererseits immer noch viel zu wenig Ganztagsschulen gibt, in denen diesem Verlangen - bei angemessener räumlicher und personeller Ausstattung - Folge geleistet werden könnte. Da es nun einmal so ist, dass eine ganze Reihe von Kindern und Jugendlichen morgens ohne ordentliches Frühstück zur Schule kommt oder dass sich niemand mit ihnen nachmittags hinsetzt, um sich um ihre Hausaufgaben zu kümmern, muss überlegt werden, wie die Schule darauf reagieren soll. Da reicht es nicht, auf die - angeblich faulen - Schüler oder die - manchmal überforderten - Alleinerziehenden zu schimpfen.

Was soll denn nun alles in den Schulen geleistet werden: Wissensvermittlung, Suchtprävention, Gesundheitserziehung, Gewaltprävention, Verkehrserziehung, Erziehung zu "guten Umgangsformen, Tolerenz, Höflichkeit", Umwelterziehung ...?

Die Liste der Forderungen ließe sich seitenlang fortsetzen. Ein Klärungsprozess darüber sollte endlich beginnen.

In Schulen, die den an sie gestellten Anforderungen entsprechend eingerichtet und ausgestattet sind, wird der Beruf sicherlich immer noch ein schwieriger bleiben, aber das Leiden wäre auf jeden Fall geringer - für alle Beteiligten!

Andreas Baumgarten Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule e. V. Hamburg

Der Lehrberuf an Schulen eignet sich nicht für ein lebenslanges Beschäftigungsverhältnis. Er ist daher auf eine Altersobergrenze von 40 beziehungsweise 45 Jahren zu beschränken. Denn jährlich nachwachsende quirlige Schülergenerationen verlangen und verdienen eine maximale Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit aufseiten der Lehrenden. Sich dieser Aufgabe mehrere Jahrzehnte - nach wie vor mehrheitlich in nicht ausrottbarer frontaler Dauerstellung - zu unterziehen führt früher oder später zu einer Überforderung der Lehrpersonen.