Wenn die Mitarbeiter der Rating-Agentur oekom an der Vorzimmertür eines Konzernlenkers klopfen, geht es nicht um Umsätze und Gewinne. Die Analysten interessieren sich für Arbeitszeiten und Abgasemissionen. Lange Zeit begutachteten Rating-Firmen bloß die finanzielle Situation ihrer Kandidaten.

Nun gibt es immer mehr Agenturen, die Unternehmen nach ökologischen und sozialen Kriterien durchleuchten.

Mit dem wachsenden Interesse der Investoren an sozial-ökologischen Geldanlagen stieg auch die Nachfrage nach Institutionen, die den ethischen Wert eines Unternehmens messen. Die ersten solcher Rating-Agenturen wurden in den siebziger Jahren in den Vereinigten Staaten gegründet. Heute gibt es weltweit etwa 30 von ihnen, in Deutschland sind es drei.

Anhand eines Kriterienkatalogs analysieren Experten die ökologische Qualität von Produkten und Herstellungsverfahren. Außerdem achten sie auf Arbeitszeiten, die Gleichstellung von Männern und Frauen sowie die Einhaltung die Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation. Abzüge gibt es zum Beispiel, wenn ein Unternehmen niedrige Standards im Ausland ausnutzt, um Kosten zu sparen.

Sobald alle Daten ausgewertet sind, erhalten die untersuchten Firmen eine Note, die über ihr ökologisches und soziales Engagement Aufschluss geben soll. Häufig untersuchen die Rating-Agenturen ganze Branchen und erstellen eine Rangliste der begutachteten Unternehmen. Beim Corporate Responsibility Rating der Münchner oekom zum Beispiel reicht die Notenskala von A+ (das Unternehmen erfüllt alle Anforderungen) bis D- (es gibt keine oder kaum nennenswerte Aktivitäten). Der Durchschnitt aller bisher bewerteten Firmen liegt bei C. "Die Bestnote haben wir noch nie vergeben", sagt oekom-Vorstand Robert Haßler.

Nicht nur Fondsmanager und Investoren, die aus Überzeugung in umwelt- und sozialverträgliche Titel investieren, gehören zu den Kunden alternativer Rating-Firmen. Auch konventionelle Anleger interessieren sich inzwischen für die Testergebnisse. Denn nachhaltiges Wirtschaften kann sich auszahlen. So stieg der nach ethischen Kriterien ausgewählte Sustainability Global Index der Schweizer Rating-Agentur SAM von 1994 bis 1998 um 137 Prozent. Der herkömmliche Weltindex Dow Jones Global schaffte nur 96 Prozent. "Langfristig schlägt sich Öko-Effizienz positiv im Aktienkurs nieder", glaubt Hartmut Stiller vom Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Eine schlechte Note beim Rating kann die Kurse drücken. Das gilt vor allem für Betriebe, deren Marktkapitalisierung so gering ist, dass schon kleine Verkäufe die Kurse beeinflussen. "Wenn sie wegen schlechter Rating-Ergebnisse aus einem Ethikfonds geworfen werden, sinkt der Aktienkurs rapide", sagt Hartmut Stiller.