Die Weiterentwicklung des ARD-Online-Auftritts ist für SWR-Intendant Peter Voss eine der wichtigsten Aufgaben, die er seinem Nachfolger im Amt des ARD-Vorsitzenden, Fritz Pleitgen, hinterlässt. In einem Interview mit der Welt am Sonntag erläuterte er, Bertelsmann habe für seine Internet-Projekte 500 Millionen, die ARD aber nur 22 Millionen Mark übrig. Kritiker verweisen nun allerdings auf die chaotischen und kostspieligen Strukturen der ARD im Internet: Die Seite das-erste.de wird von einer Redaktion in München verantwortet, ard.de wird von einem Team in Baden-Baden produziert - nicht zu verwechseln mit der im gleichen Haus angesiedelten Redaktion von SWR-online.

Dann gibt es noch die beliebte Internet-Seite tagesschau.de, verantwortet von ARD-aktuell in Hamburg und säuberlich getrennt von NDR-online. Immerhin wird schon diskutiert, wenigstens die Nachrichten für die Seiten der ARD-Sender zentral von tagesschau.de zuliefern zu lassen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Und wo bleibt das Positive? Hier: Noch hat das Internet dem Fernsehen den Todesstoß nicht versetzt. Die Netzeitung berauscht sich zwar seit Tagen daran, dass über die Homepage der Bergischen Universität Wuppertal schon zwei Tage vor der Ausstrahlung bekannt wurde, dass Professor Eckhard Freise in der RTL-Sendung Wer wird Millionär am vergangenen Samstag die Million abräumen würde. Selbst dem Chefredakteur Michael Maier war das einen Kommentar wert (Internet schlägt Fernsehen). Dabei war die Indiskretion, die sich auch mit zwei, drei gezielten Faxen hätte erreichen lassen, keine "peinliche Panne" für RTL: Schließlich haben 12,3 Millionen die Sendung eingeschaltet (dem Erfolg von Shakespeare hat es auch keinen Abbruch getan, dass sich inzwischen rumgesprochen hat, dass Romeo und Julia den Theaterabend nicht überleben).

Anders die Briten: Auch in der englischen Version, Who Wants to Be a Millionaire, die im privaten Sender ITV läuft, wurde jetzt erstmals der Hauptgewinn geknackt, und die Sun verriet es vorzeitig. Die BBC vermutete als Verräter sogleich ITV selbst. BBC 1 zeigte nämlich am gleichen Abend die letzte Folge einer ihrer erfolgreichsten Comedy-Serien. Deren Hauptdarsteller vermutete, dass ITV das BBC-Event so torpedieren wollte. Für die Behauptung, ITV habe darüber hinaus nachgeholfen und das Ereignis für diesen Abend "geplant", musste sich die BBC allerdings später entschuldigen. Dafür gebe es keine Beweise.

Nils Minkmar, Stefan Niggemeier (offline@zeit.de)