Das Berliner Verwaltungsgericht hat Kulturgeschichte geschrieben. Es entschied zugunsten der Betreiberin einer verschwiegenen Bar mit angeschlossenem Verkehrsbetrieb, die gegen den Entzug ihrer Gaststättenlizenz geklagt hatte. Freiwillig ausgeübte Prostitution verstoße nicht gegen die guten Sitten. Demnächst will auch die rot-grüne Koalition die Lage der professionellen Damen verbessern. Gute Aussichten für Huren und ihre Kunden: Aus der Schmuddelecke der Halbkriminalität geholt und den Kreativkräften des freien Unternehmertums anheim gegeben, dürfte diese Dienstleistungssparte ihre Angebotsqualität enorm erhöhen. Charme und Selbstbewusstsein der Klägerin - sie war schon bei Bio im seriösen Ersten zu bewundern - lassen die kulturellen Verfeinerungspotenziale des Gewerbes erahnen. Schon bröckelt das - romantischen Idealen entstammende - Vorurteil, Sex sei nur bei interesselosem Wohlgefallen und seelischem Gleichklang menschenwürdig und erfüllend. Freilich: Was bleibt von der lieben Sünde, wenn sie erst einmal den Segen des BGB und der Sozialversicherung hat? Bezog die Hurerei ihren Reiz doch aus der Heimlichkeit und dem prickelnden Bewusstsein, das Verruchte zu tun. Nicht von ungefähr heißt das Etablissement, das jetzt so viel öffentliche Aufmerksamkeit erregt, Pssst!.