Die EU-Kommissarin für Umweltpolitik, Margot Wallström, steht in dem Ruf, sich allzeit Sorgen um das globale Klima zu machen. Nun muss die Schwedin obendrein um die Atmosphäre im eigenen Haus bangen. Denn in Brüssel provoziert die Reorganisation ihrer Generaldirektion Umwelt Proteste.

Insbesondere die Versetzung des deutschen Umweltexperten Ludwig Krämer wird von Ökoverbänden als "Kniefall vor der Industrie" gegeißelt. Der bisherige Referatsleiter für Müllpolitik hatte - etwa mit Entwürfen für EU-Richtlinien zur Wiederverwertung von Altautos oder Elektroschrott - den Zorn der Lobby auf sich gezogen. Jetzt soll der EU-Beamte in das neue, weniger konfliktträchtige Referat für Environmental Governance abgeschoben werden. In einem (ungewöhnlich) offenen Brief warnen 20 EU-Beamte ihre Kommissarin bereits vor einem müllpolitischen Kurswechsel. Auf Anfrage ließ Frau Wallström dementieren. Nichts sei beschlossen, alles liege "als reine Verwaltungsfrage" in den treuen Händen ihres Generaldirektors. Womit die Kommissarin freilich die Lehren von Rio, Kyoto und Den Haag ignoriert: Klimapolitik ist längst Chefsache.