Noch drei Wochen bis zum Abitur ist die erste Einstellung aus Marco Petrys Filmdebüt Schule untertitelt, aber der 18-jährige Markus, der vom Radiowecker aus dem Schlaf geholt wird, hat andere Probleme. Eigens für ihren "süßen Schnubbi" hat seine 15-jährige Freundin Sandra im Jugendsender einer westdeutschen Provinzstadt den Hallo-Wach-Song des Tages bestellt - eine Geste, die Markus nicht zu schätzen weiß. Was aber ist schon das Schnubbi-Gelächter, das Markus in der Schule erwartet, gegen die Angst, die Dirk aussteht. Sollte ihm bei der drohenden Matheklausur niemand helfen, wird der Klassenclown so wenig zum Abitur zugelassen wie der lebensfremde Streber Karbrüggen zum letzten Besäufnis von Markus' Clique. Weil die Not beide Seiten erfinderisch macht, wird Karbrüggen am Ende des Tages seinen ersten Joint geraucht haben und zum Erstaunen der In-Group obendrein seine Jungfräulichkeit verlieren. "What a difference a day makes" ist das Motto dieses an American Graffiti geschulten Films, das Markus und seinen Freunden im Verlauf von 24 Stunden schmerzlich bewusst wird. Eben noch hatte der notorische Fremdgänger André alle Zeit der Welt, um sich bei seiner Liebsten herauszureden, plötzlich steht das Erwachsenwerden vor der Tür. Schon bald werden (beinah) alle auseinander gehen, wird der Jargon der Angesagten und das Gekicher der "schwer korrekten Schlampen" nur noch auf dem Videofilm fortbestehen, den das Alter Ego des 25-jährigen Regisseurs zum Schulabschluss dreht. Das Gefühl, diesen Film schon mehr als einmal gesehen zu haben, verlässt den Betrachter nie. Dennoch ist es charmant, wie Petry das unausweichlich Unoriginelle der "allerersten Male" zum Programm seines Filmdebüts erhebt.