Der Seemann Hans Warns, Jahrgang 1900, verrät nur so viel von seinem Leben, wie er für richtig hält: "Wie das mit Marisol in Chile genau weiterging, das erzähl ich nicht." Grundstein der Geschichte sind die Fotografien, die Warns seit dem 14. Lebensjahr auf seinen Seereisen gemacht hat. Diese Bilder aus Chile, vom Hamburger Viermastsegler Herbert, aus Norwegen, Ägypten und vom Alltag auf Dampfschiffen und Schlachtkreuzern verwebt Gordian Mauggs Dokudrama Hans Warns - Mein 20. Jahrhundert mit gestellten Szenen, Musik und eingesprochenen Kommentaren. Entsprechend der Filmtechnik ihrer Zeit werden Warns' Bilder dabei nicht "lebendig", sondern - was ungleich spannender ist - zu einem Film. Damit wird auch die Frage, wo die Inszenierung beginnt und das "authentische" Material endet, vom Film an das Publikum zurückgegeben. Auf dieser Reise durch die Zeit und über die Weltmeere müssen wir selbst entscheiden, ob und inwiefern Erinnerung nicht immer schon Inszenierung ist.