Berlin

Liebe SPD, du musst jetzt sehr tapfer sein: Bald kommt es wieder andersrum.

Zwar darfst du, solange Kanzler Koch sich vorbereitet, den Kabinettschef stellen. Mag aber auch G. Schröder mit dem russischen Menschenrechtler W.

Putin Weihnachten feiern - die Zukunft gewinnt, wer die Vergangenheit erbeutet: Deutschlands Einheitspartei. Wie war es denn zur Mauerzeit? Während Spalter-Sozen vom Schlage Lafontaines mit Honecker & Krenz poussierten, litt die CDU allzeit an der Seite jener, die in der "DDR" der roten Knute widerstanden - siegreich, wie die Geschichte lehrt. Dies tut sie mit Büchern.

Ein solches, den Sieg der Geschichte reklamierendes Werk hat (statt der Kohlschen Akten) soeben die Konrad-Adenauer-Stiftung via Propyläen-Verlag ans Licht der Welt gewuchtet: 455 Seiten Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur. So, nun werden wir seriös - wie dieses Buch.

Für Philatelisten und CDU-Ideologen ist die DDR was Wunderbares: ein abgeschlossenes Sammelgebiet, ein rechtskräftig beendetes Kapitel Feindgeschichte. Wie bangt der Leser, und wie ist er erleichtert, keine christdemokratische Hagiografie aufzuschlagen, aber ein polyfones Album ostdeutscher Dissidenz: 377 Stichworte, 92 Autoren, und gut lesen lässt sich's obendrein. Kurzbiografien rangieren neben Komplexartikeln, die strategisch organisierte Opposition à la Harich-Kreis steht gleichrangig neben dem Blutopfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz. Herausgeber Hans-Joachim Veen propagiert in seiner zügigen Einleitung, "dass Opposition und Widerstand gegen ein totalitäres Regime auch dann ihren Sinn in sich selber tragen, wenn die praktischen Erfolgsaussichten minimal sind, als sittliche Pflicht und als individuelle Selbstbehauptung und Emanzipation".

Für die E-Mail-Jugend liegt die DDR irgendwo im Pleistozän