TotalFinaElf war in diesem Jahr kaum zu bremsen. In den ersten sechs Monaten steigerte der Ölkonzern seinen operativen Gewinn um 190 Prozent. Von Juli bis September legten die Franzosen noch einmal 130 Prozent nach.

Finanzanalysten führen das vor allem auf den Anstieg des Ölpreises und den starken US-Dollar zurück. Aber auch die Fusionen der Vergangenheit hätten daran ihren Anteil.

Mit dem Jahr 1999 begann die Zeit der Zusammenschlüsse. Erst fusionierten Total und die belgische Petrofina zu Totalfina. Später kam Elf Aquitaine dazu. Diese Strategie werde auch künftig Geld sparen, meint André Buse, Analyst der Hamburgischen Landesbank. In den kommenden drei Jahren will Konzernchef Thierry Desmarest weitere Auslandstöchter verschmelzen und so jährlich rund vier Milliarden Euro weniger ausgeben.

Nach Einschätzung der Hamburgischen Landesbank könnten die Fusionseffekte aber nicht so viel Geld einsparen, wie ein wieder sinkender Ölpreis das Unternehmen kosten würde. Mit hohen Gewinnen - wie zuletzt im dritten Quartal - könnte es also schon bald wieder vorbei sein. Roger Richards, Öl- und Gasspezialist des US-Geldhauses Prudential Securities, rechnet im kommenden Frühjahr mit einem Rückgang des Ölpreises. Das könnte die Aktien der Mineralölkonzerne nach unten ziehen. Seine Kollegen von den Banken Société Générale und Crédit Suisse First Boston vermuten, dass der Preis von derzeit rund 30 Dollar auf unter 25 Dollar pro Barrel - das sind 159 Liter - rutscht.

Dennoch bezeichnen manche Banken die Ölbranche als sicheren Hafen und empfehlen TotalFinaElf sogar. Im Vergleich zu Exxon, Royal Dutch und BP habe der französische Multi das größte Wachstums- und Einsparpotenzial, meint das Finanzhaus Prudential Securities. BNP Paribas Equities prognostiziert, dass die Aktie noch auf 200 Euro steigt. Und die anstehende Rückkaufaktion von Aktien werde sich vorteilhaft auf den Kurs auswirken, behauptet die Research-Abteilung der Deutschen Bank. Sie stufte den Titel indes herab - wie andere Banken auch. Der Grund: Aufgrund der bis heute überdurchschnittlichen Wertentwicklung böte die Aktie von TotalFinaElf kein Kurspotenzial mehr. Das gelte auch für die Konkurrenten des Unternehmens. Prompt warnen französische Anlegermagazine vor ungünstigeren Rahmenbedingungen in den nächsten beiden Jahren.

So abhängig die Nummer vier der Ölmultis vom Dollar und vom Rohstoffpreis ist, so unbeeindruckt zeigte sich der Aktienkurs von diversen Umweltkatastrophen. Dazu gehört der Tankerunfall an der bretonischen Küste vor einem Jahr. Zudem gibt es eine Ölpest in der russischen Taiga: Nach Angaben von Greenpeace sickern dort jährlich 15 Millionen Tonnen Öl durch marode Pipelines. TotalFinaElf weist in beiden Fällen die Verantwortung zurück.

Der Konzern sieht ebenfalls keinen Grund, sich wie andere Unternehmen zu einer Reduktion seiner Kohlendioxidemissionen zu verpflichten. Kalt lassen TotalFinaElf darüber hinaus Vorwürfe, das menschenrechtfeindliche Regime in Myanmar zu stützen. Und auch die Vergangenheit des Konzernteils Elf Aquitaine spielt keine Rolle: Das Unternehmen soll jahrzehntelang die Geschicke afrikanischer Staaten manipuliert haben und ist in den Skandal um die Parteienfinanzierung in Deutschland verwickelt.