Nach dem BSE-Schock haben alle was zu feiern - die Minister, dass sie noch im Amt sind, die Verbraucher, dass sie noch leben. Aber ob sie auch verstehen werden, dass gutes Essen nicht zum Dumpingpreis zu haben ist?

Nachdem sich der Rauch aus den Tierkörperverbrennungsanlagen verzogen hat, sieht der Verbraucher wieder etwas klarer. Und er erkennt: Er lebt noch. Er, der Rindfleischfresser, hat's überlebt! Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Auch die anderen, die ihn beinahe umgebracht hätten, feiern. Die Landwirtschaftsminister feiern, dass sie noch in Amt und Pfründen sind, die Agrarfunktionäre feiern, weil sie sich auf andere Funktionäre berufen können, die Eurokraten feiern, weil sie immer feiern, die Rinderzüchter feiern, weil sich ihr Herzenswunsch erfüllt hat: Jetzt da ihre Ställe leer sind, können sie endlich mit der subventionierten Hühnermast beginnen. Wo früher nur Platz für 500 Kühe war, können sie künftig 3 Millionen Hühner unterbringen.

Und alle zusammen feiern, weil der liebe Gott sie nicht bestraft hat dafür, dass sie seit Jahren die Verbraucher belogen, die Gefahren heruntergespielt, Schuld von sich gewiesen und notwendige Entscheidungen verschoben haben bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Am fröhlichsten aber feiern die Lobbyisten. Sie haben ihre Auftraggeber kräftig verdienen lassen durch die Schlammlawine von Lügen, die sie ausgelöst haben, durch das Chaos von sich widersprechenden Verordnungen, durch falsche wissenschaftliche Verlautbarungen und durch willfährige Beamten.

Bei der Planung unserer kleinen Feier stellen sich ein paar Fragen. Was, beispielsweise, können wir noch essen, ohne tot umzufallen? Rindfleisch kommt natürlich nicht infrage. Obwohl wir ja als passionierte Wurstfresser noch bis in den vergangenen Oktober hinein die so genannten Risikoteile der Rinder genussvoll verputzt haben.

Denn erst seit fünf Wochen ist der Zusatz von Hirn, Mark, Blut und anderen Ekelteilen in der deutschen Wurst nicht mehr erlaubt. Bis dahin - würgggh!