"Ich wurde traurig, weil ich in der Welt so vergessen bin", klagte Perutz.

Die Biografie von Ulrike Siebauer zeichnet ein bitteres Ende. Auf verlorenem Posten habe er gestanden, die Freunde waren in alle Welt verstreut. In Palästina blieb er ein Fremder, die Gründung des Staates Israel lehnte er ab - "Nationalstaaten bedeuten immer den Krieg", hatte er schon 1939 erklärt. So blieb er isoliert, vereinsamt, misstrauisch beäugt vom neu gegründeten Staat, gelähmt in seiner Kreativität. "Leo Perutz hatte sein wahres Leben vor dem Exil gelebt", schreibt Ulrike Siebauer. "Die letzten 19 Jahre seines Lebens war er Überlebender." In Bad Ischl liegt er begraben, auf einer seiner Europareisen starb er dort im August 1957, im Alter von 74 Jahren.

Nachts unter der steinernen Brücke hatte Perutz als "mein schönstes und dichterischstes Buch" bezeichnet. Trotz aller Misserfolge nach seiner Vertreibung aus Europa blieb er selbstgewiss: "Um so sicherer ist meine Auferstehung in 40 Jahren ...", sagte er 1949 voraus. Heute wird der Roman "in allen Literatursprachen in immer neuen Auflagen" gedruckt, schreibt Herausgeber Hans Harald Müller in seinem Nachwort.

Im Epilog erläutert Perutz die rätselhaften Verstrickungen. Alles erweist sich als Sage aus längst vergangener Zeit. Der Schreiber hat sie erzählt bekommen vor einem Menschenalter. Nichts ist geblieben vom Reichtum des Mordechai Meisl, das alte Judenviertel ist nicht mehr. Neue Straßen entstehen, moderne Mietshäuser, Wasserleitungen, Kanalisation. Eine Modernisierung um die Jahrhundertwende, von 1895 bis 1905 in die Tat umgesetzt. Was blieb, waren die Erzählungen der Leute, das Schweigen nach Auschwitz, Buchenwald, Theresienstadt. Was bleibt, ist die sagenhafte Geschichte des Leo Perutz.

* Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke

Roman

herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Harald Müller