Als Foster an der Südflanke des Atriums einen Portikus rekonstruieren ließ, wurde darüber in London heftig gestritten. Debattiert wurde vor allem über den Kalkstein, der eigentlich aus dem englischen Portland kommen sollte und doch einem französischen Steinbruch entstammt. Erst als der Portikus schon zur Hälfte stand und es für einen Abriss zu spät war, flog dieser Betrug eines Bauunternehmers auf. Einige Denkmalpfleger sprachen von der "Schändung des nationalen Erbes". Niemand hingegen erregte sich über Fosters freihändigen Umgang mit der Baugeschichte. Er hat dem Portikus nicht nur einen, sondern drei Eingänge verpasst und stört damit die ursprüngliche Komposition

auch ein merkwürdiges Guckfenster im ersten Stock fügte er ein.

Fast beiläufig wird so das Original entwertet und sieht plötzlich wie eine postmoderne Brosche aus.

Ähnliche Nebenwirkungen zeitigen auch die Um- und Anbauten für das Restaurant und die Shops. Für diese hat Foster zwei Treppenläufe entworfen, die wie zwei Arme den runden Lesesaal umfassen und den Besucher langsam in die Höhe führen, bis er schließlich oben auf einem Schiffsbug angekommen ist. Dort steht man Aug in Aug mit den Schnecken des ionischen Kapitells, das in solcher Intimansicht noch ungeschlachter wirkt als ohnehin. Auch die Glasbrücke, über die man hinüberwandern kann in den Nordflügel des Museums, tut dem Original keinen Gefallen. Zumal Fosters eiförmiger Baukörper dem Portikus so nahe kommt, dass er ihn verstellt und verschattet.

Karl Marx arbeitete hier 30 Jahre lang an seinem "Kapital"

Einen besonderen Clou verspricht das Restaurant, das hier oben seine Gäste wie auf einem Hochplateau empfängt: Man kann ein Zanderfilet verspeisen und zugleich die wundervolle Aussicht genießen, durch hohe Rundbogenfenster schaut man hinab in den Lesesaal. Der Ort des Geistes, über viele Jahrzehnte nur einer forschenden Elite zugänglich, wird so zur Touristenattraktion, zum größten Ausstellungsstück des British Museum. Innen hat sich die Bibliothek zwar nur wenig verändert. Eine mit viel Blattgold prächtig geschmückte Kuppel spannt sich über den Lesenden aus, so als sollte sich hier ein Denkraum öffnen, der das Unvorstellbare vorstellbar macht. Rudyard Kipling und Charles Dickens wälzten hier ihre Bücher, Karl Marx saß fast 30 Jahre lang täglich auf seinem Platz A6 und ersann das Kapital. Doch obwohl die blaugrauen Ledertische und Regale noch vorhanden sind - dieselbe Bibliothek ist es nicht mehr, denn alle Bücher sind 1998 in ein neues Gebäude umgesiedelt.

Ersatzweise ist nun die kultursoziologische Bibliothek von Paul Hamlyn eingezogen, die künftig aller Welt offen stehen wird. Zudem wurden 50 Computer aufgestellt, mit denen sich die Besucher einige Exponate des Museum erläutern lassen können.