Ob es sich in dieser Bibliothek allerdings noch konzentriert arbeiten lässt, ist ungewiss. Ständig werden fotografierende Besucher hereinkommen, werden die Kuppel bestaunen und die Tischreihen abschreiten. Der Lesesaal wird wohl eher einem Rummelplatz gleichen, von oben blicken die Touristen herein, unten vergnügen sich Schulklassen mit den Lernprogrammen. Die Demokratisierung des Eliteraums dürfte zugleich seine Entleerung bedeuten, zumindest so lange der Saal das Zentralstück des neuen Kommerzkonzepts ist.

150 Jahre lang kannte dieser gewaltige Andachtsraum der Aufklärung nur sich selbst. Alle Pracht galt dem Inneren, die äußere Erscheinung hingegen war zweitrangig - bei der Fassade begnügte man sich mit einer rüden Backsteinhaut. Mit dieser erstaunlichen Doppelgesichtigkeit vermochte Foster nur wenig anzufangen. Er verkleidete die Rotunde mit den weißen Kalksteinplatten, so dick, dass die Fenster fast darin versinken. Um den Schmuckwert noch zu erhöhen, bekamen die Fensterstöcke ein paar zusätzliche Goldkapitelle

und als Gesims blendet nun eine Strahlenkrone aus hellen Lampen die Besucher des Great Court.

Natürlich wird das British Museum auch weiterhin ein Ort sein, an dem es nicht nur auf das Geglitzer der Inszenierung ankommt. Weiterhin wird jeder Besucher ein Entdecker sein dürfen, der sich auf seinem Weg durchs Labyrinth an die wunderbarsten Kleinodien verliert, ob an ein trautes Nilpferd (1900 vor Christus) oder an die goldene Renaissance-Uhr des Isaac Habrecht von Straßburg. Hier lässt sich im Kleinen das Große erfahren, alle Überheblichkeit weicht, und das eigene Sein beginnt zu schrumpfen.

Im neuen Great Court allerdings ist die Geschichte vor allem Wohlfühlkulisse, selbst die Löwen und langohrigen Osterinsulaner, die hier aufgestellt wurden, verkommen in der Weite des Raums zum Ethnodekor. Einmal mehr erweist sich Foster als ein Meister der taumelnden Räume und bedeutungsleeren Oberflächen.

Einzig die handgroßen Lettern, die in den Kalkstein der Rotunde gemeißelt wurden, verleihen seinen Wänden eine gewisse Tiefe. Es sind die vielen Spender, die hier verewigt wurden. Die neue Außenseite der Aufklärung trägt ihre Namen.