Sie wachsen wild und leuchten kurz, die Blüten der freien Theaterszene. Dann werden sie abgegrast. Die Intendanten der Staatstheater weiden mit langer Zunge, darum rasch noch ein Fest gefeiert, jährlich im Herbst. Es heißt Impulse und zeigt nun seit zehn Jahren in den Städten Nordrhein-Westfalens das Beste vom Off aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Szene und ihr wichtigstes Festival sind professionell geworden, doch kaum ist das freie Theater ästhetisch neu erblüht, dient es als Wildkräuterbeilage für etablierte Bühnen, die selbst das aufschlecken, was noch nicht ausgewachsen ist. Als Nächstes wird in deren hungrigen Mägen Christiane Pohle verschwinden, die den diesjährigen Impulse-Preis bekam, eine ZDF-Fernsehaufzeichnung für ihr sitzen in Hamburg: Tschechows Drei Schwestern, sehr weiblich-komisch, schmerzlos-melancholisch und vor allem herzig-jung. Das Berner Theater 400 ASA hat es da besser, seine Medeää wurde schon bei den Wiener Festwochen von Ivan Nagels Regiewettbewerbsteller geschoben, bekam auch jetzt keinen Preis und hat nun Zeit, seine äußerst aufregende Beschreibung eines Krampfes, nämlich der Suche nach Film- und Bühnenauthentizität, in Ruhe fortzuentwickeln. Verschonung vor Tom Strombergs Hamburger Magen und Elisabeth Schweegers künftigem Frankfurter Löffel wünscht man sich auch für Nico and the Navigators, in deren Eggs on Earth! sich die Kinder der Marthaler-Gesellschaft mit leer geträumten Blicken bemühen, schöne Haltungen zu finden, während sie scheitern. Neun Inszenierungen waren eingeladen, auch René Pollesch (schon verkauft), auch Sandra Strunz (noch frei)

die vollständige Liste zu bestellender Talente bekommen hungrige Intendanten beim Kultursekretariat Nordrhein-Westfalen.