Wunderkind zum 2. Advent.

Mit zwei Jahren kann er Französisch und Latein und die Bibel praktisch auswendig. Noch keine vier, schreibt er fehlerfrei, hält Bäumen und Vögeln lange Ansprachen. Der König von Dänemark empfängt ihn Telemann, der Komponist, widmet ihm ein Epigramm: "Kind, deßen gleichen nie vorhin ein Tag gebahr! / Die Nach=Welt wird dich zwar mit ew'gen Schmuck umlauben / Doch auch nur kleinen Theils Dein großes Wißen glauben, / Das dem, der Dich gekannt, selbst unbegreiflich war." Christian Heineken (1721 bis 1725) - der Wundersäugling von Lübeck. Zu Weihnachten 1999 hat Klaus J. Hennig auf unserer Seite Zeitläufte das barocke Schicksal dieses Extremkindes nacherzählt, das infolge einer völligen Mehlallergie (heute als Heubner-Herter-Krankheit identifiziert) früh sterben musste. Jetzt widmet die junge Gießener Künstlerin Ingke Günther Heineken ein "Praktikum in Arte".

Unter dem Titel Himmel, Brust und Zwirn zeigt sie am Wochenende in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft ihre zaubrig-schrulligen Malereien und Stickereien. Dazu gibt es, als Leihgaben des kulturgeschichtlichen Museums, erstmals Heineken-Devotionalien zu sehen wie zum Beispiel die Prunkstiefelchen, die er bei der Audienz in Kopenhagen trug. Am 8. Dezember, nach der Eröffnung um 19 Uhr, inszeniert die Sängerin Manuela Weichenrieder "Heineken-Material", am Samstag um 16 Uhr wird Klaus J. Hennig Auskunft über das Wunderknäblein geben, und am Sonntag von 11 Uhr an serviert der Künstler Jörg Wagner, Städelschüler, leckere Milchspeisen! Informationen: Overbeck-Gesellschaft, Königstraße 11, Lübeck, Tel. 0451/747 60.