Endlich, drei Jahre zu spät, tun Polizei und Justiz in Sachsen ihre Pflicht und ermitteln gründlich die Todesumstände des 6-jährigen Joseph aus Sebnitz. Im Sommer 1997 dagegen hatte es ein überforderter Kleinstadtpolizist versäumt, Personalien aufzunehmen, Zeugen zu vernehmen, Widersprüche zu klären. Das war der Nährboden, auf dem die schrecklichen Neonazi-Verdächtigungen der Mutter und die Medienhysterie der vergangenen Woche erst wachsen konnten.

Christian Pfeiffer, der am 13. Dezember in Niedersachsen Justizminister werden soll, und sein Kriminologisches Institut haben genau jene Versäumnisse benannt. Wenn der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf jetzt Pfeiffer rüde attackiert, ist das nur ein Ablenkungsmanöver. Seine Polizei hat 1997 versagt. Seine Justiz hat in den vergangenen Monaten erst zögerlich ermittelt und dann vor zwei Wochen, als ihr die recherchierende Bild im Nacken saß, überstürzt drei Verdächtige festgenommen. Angriff ist eben die beste Verteidigung.