Einen Wahlsieg, "der eindeutig nicht war und im Bewusstsein vieler es auch nie werden wird" nennt die "Welt" den verzögerten Erfolg von George Bush. Jetzt werde der neue mächtigste Mann der Welt "viel Fingerspitzengefühl brauchen, um Amerika zu beweisen, dass er tatsächlich der legitime Amtsinhaber ist". Ein Unterfangen, das für "taz"-Kommentator Peter Tautfest von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, da von Legitimität keine Rede sein kann: "In das Weiße Haus wird zum ersten Mal seit 1888 ein Politiker einziehen, der nicht von der Mehrheit der Amerikaner gewählt wurde - das ist in den USA verfassungsrechtlich möglich. Dass ein Präsident jedoch die Mehrheit im Wahlmännerkollegium nur mit Hilfe eines problematischen Gerichtsurteils erreicht, das hat es noch nie gegeben. Die obersten Richter ebnen George W. Bush den Weg zu einem Sieg, der nie erwiesen sein wird, da die Stimmnachzählung in Florida nun nicht mehr möglich ist. Fest stehen jedoch die Verlierer: die Wähler, deren Stimmen nie gezählt wurden, und das Oberste Gericht selbst, das seinen Rolle als moralische und politische Instanz in der Gesellschaft einbüßen dürfte." Einig sind sich alle Kommentatoren, dass Bush einen Drahtseilakt vor sich hat.

Robert von Rimscha sieht deshalb im "Tagesspiegel" sogar die Demokraten als "eigentliche Sieger dieser unglückseligen Zitterwahl". Zwar hätten die Republikaner nun Mehrheiten im Weißen Haus, Senat und Repräsentantenhaus, "die Mehrheiten sind indes so hauchdünn, dass zwei Bestrebungen aufeinanderprallen werden", "die Republikaner werden sich zerreißen." Auf der einen Seite das harte Programm der Parteirechten, auf der anderen Bushs avisierter Mittekurs, den er aufgrund des knappen Ergebnisses fahren muss: "Wenn Amerikas Politik sich nicht völlig lähmen will, muss Bush Demokraten ins Kabinett holen und Konsens suchen, er muss Feinde umgarnen und Freunde verraten."

CDU und Biotechnologie

In einer ähnlichen Lage befindet sich derzeit die CDU, was die Gentechnik-Debatte betrifft, konstatierte doch gestern Angela Merkel viele Ähnlichkeiten zwischen den Positionen ihrer Partei und denen der Grünen. Auf dem Bioethik-Kongress der CDU, zu dem Partei-Vize Jürgen Rüttgers geladen hatte, versuchte man gemeinsam mit Wissenschaftlern und Theologen ein Verhältnis zu den Biotechnologien zu finden. Wie der "Tagesspiegel" schreibt, ging es in Merkels Rede vornehmlich um die "Dilemmata" des Themas, während die "taz" bei Rüttgers "ungewöhnlich harsche Forderungen" ausmachte: " 'Grenzpfähle' will er einschlagen, 'bis hierher und nicht weiter' – und der Beobachter muss unwillkürlich an den frühen Grünen denken." Lob gab es von der CDU-Chefin für die grüne Ministerin Andrea Fischer, weil diese die Diskussion über die europäische Bioethik-Konvention in die Öffentlichkeit gebracht habe. Auch die Grünen sind auf Annäherungskurs gegangen, laut Fraktionschef Schlauch sagen sie nun nicht mehr "Nein, aber" zur Gentechnologie, sondern "Ja, aber". Während die Politiker noch um linguistische Minimalverschiebungen ringen, geht das frohe Schaffen in den Labors weiter mit Volldampf voran. Gestern wurde von einer Forschergruppe mitgeteilt, dass es nach zehnjähriger Arbeit erstmals gelungen sei, das Erbgut einer Pflanze vollständig zu entschlüsseln. Die wild wachsende Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) hat jetzt keine Geheimnisse mehr. Schade eigentlich.

Florida-Dramen

Was ist eigentlich mit Florida los? Noch vor kurzem lediglich als letzte Ruhestätte für lebensmüde Touristen und betuchte amerikanische Senioren bekannt, mausert sich der amerikanische Bundesstaat zusehends zum Schauplatz der großen und kleinen Dramen der Welt. Glaubte man Christoph Daums Flucht dorthin noch mit den ausgesprochen vorteilhaften Koks-Versorgungswegen erklären zu können, von denen Daum wie jeder andere auch aus "Miami Vice" erfahren haben wird, versagen solche pragmatischen Begründungen anhand der jüngsten epischen Auseinandersetzungen um die Macht im Lande. Und kaum hat dieses Drama sein unspektakuläres Ende gefunden, gerät Florida schon wieder ins Rampenlicht. "Babs verklagt Boris" schreibt "Bild" heute in großen Lettern, und zwar "fordert sie vor dem Bezirksgericht Miami 'das alleinige Sorgerecht für unsere beiden Söhne, angemessenen Unterhalt und exklusives Wohnrecht in Florida' ". Florida - letzte Hoffnung der Entrechteten und Verfolgten oder ein Art Disneyland wahr gewordener Journalistenträume?

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