In Hamburg sollen Selbstständige und Zeitarbeiter ran. Nordrhein-Westfalen sucht nach technikkundigen Pensionären und arbeitslosen Ingenieuren. Und Hessen wirbt - zur Empörung der anderen Bundesländer - neuerdings auch jenseits der Grenzen um die begehrten Fachkräfte. Was bislang nur für Berufsschulen galt, betrifft nun im Westen Deutschlands auch zunehmend Gymnasien: Hauptsächlich in den naturwissenschaftlichen Fächern gehen den Schulen die Lehrer aus.

Der Mangel wird sich in Zukunft verschärfen. Jeder fünfte Pädagoge verabschiedet sich in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Das wäre nicht schlimm, würde die Zahl der Junglehrer ebenso steigen. Doch das Gegenteil ist der Fall: In den vergangenen Jahren haben sich immer weniger Lehramtsstudenten eingeschrieben. Warum sollten sie auch? Signalisierten die Kultusminister doch lange mit ihrer Politik, dass es viel zu viele Lehrer gibt: Sie stuften die Referendariatsgehälter auf Bafög-Niveau herunter, boten neuen Lehrern nur Teilzeit statt volle Stellen an, nur Angestelltendasein statt sicheres Beamtentum.

Schweinezyklus nennen Experten das Auf und Ab von Bedarf und Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Beide stimmen selten überein, weil zwischen Studien- und Arbeitsbeginn viele Jahre liegen. Das Problem spitzt sich zu, da sich der Arbeitsmarkt immer schneller verändert und die Halbwertszeit der Prognosen sinkt. Ausbildung, Einstellungsverfahren und Bezahlung für Lehrer sind jedoch so bürokratisch und starr geblieben wie vor 20 Jahren.

Das muss sich ändern. Warum sollen Schulen Referendare für Physik, Chemie oder Informatik zeitweise nicht besser entlohnen dürfen als Junglehrer für Sport oder Englisch? Warum gibt es kein Masterstudium in Pädagogik, das Studenten nach einem Bachelor-Abschluss in einem bestimmten Fach relativ kurzfristig zum Lehrer ausbildet? Und weshalb ist es so schwer für Fachleute ohne Staatsexamen, aber mit vielfältigen Erfahrungen aus Wirtschaft, Verwaltung oder Wissenschaft per Lehrauftrag in deutschen Schulen zu unterrichten?

Das würde nicht nur Personalengpässe beheben, sondern Praxiskontakte und Echtzeitkenntnisse in die Schulen holen. Dass Schüler zu wenig lernen, weil wegen Lehrermangel Stunden ausfallen, ist ein Problem. Schlimmer noch ist, dass sie zu oft das Falsche mit auf den Weg bekommen - von Lehrern, die selbst mitunter zuletzt vor 25 Jahren etwas gelernt haben.

Vielleicht macht ja der Mangel die Minister endlich mutig.