Wenn der Mensch vielleicht auch nicht zum Klagen geboren ist, so ist er doch wie geschaffen dafür, und jedenfalls klagt er, seit er herausgekriegt hat, wie gut er das kann: als hätten die Götter ihm die Stimme gegeben, weil ihnen nichts so schön klang wie Klagen. Es scheint ihnen gegangen zu sein wie jenem indischen Fürsten, der, wenn ihm so zumute war, ganze Herden von Elefanten (indischen, das sind die mit den kleineren Ohren) in tiefe Schluchten jagen ließ, weil er so gern zuhörte, wie sie brüllten, wenn sie stürzten - der Dichter Sebald erzählt, glaube ich, diese Geschichte irgendwo; kaum einer wiederum kann ja schöner als er, elegischer, um das Wort nun einmal zu sagen, die Welt beschreiben als die große Tiefebene der ewigen Klagen.

Unvergesslich zum Beispiel, wie einmal ein gewaltiger Sturm ihm eines Nachts alle alten, großen, schönen Bäume umhaute, die seit Jahren, ach, was sag ich, seit Jahrhunderten sein Haus in England umstanden hatten: weg nun alle, und als der Sturm vorbei war, hätten die Sterne geschienen wie noch nie; und als der März kam, war überall um das Haus herum, wo sonst Anemonen geblüht hatten, Schlamm und noch mal Schlamm gewesen.

Wie ja auch Heine schon einmal (das füge ich jetzt hinzu) in der Natur so entsetzlich elegisch geworden war:

Verdrossnen Sinn im kalten Herzen hegend,

reis ich verdrießlich durch die kalte Welt,

zu Ende geht der Herbst, ein Nebel hält

feucht eingehüllt die abgstorbne Gegend.