Al Gore - so der US Talkshowhost Conan O Brian - wisse nach der verlorenen Wahl noch nicht, was er tun solle, das gelte aber ganz besonders für George Bush. Und Kollege Jay Leno meinte, in Anlehnung an die Vorwürfe, Bush würde Kokain nehmen, es sei noch nicht sicher, ob Bush wirklich Präsident sei, denn jeder neue Bewohner des Weißen Hauses, müsse sich vor dem Einzug einem Drogentest unterziehen.

Auch in Kommentaren der deutschen Tageszeitungen mag man sich nicht so richtig entscheiden, ob nun der richtige Mann am richtigen Platz sitzt. Aber nicht nur die Außenpolitik bestimmt die Überschriften.

"Das Ende von Tschernobyl: Erleichterung und Zorn" schreibt die Taz heute auf Seite Eins. "Die Akte Becker" titelt die Bild-Zeitung, die es damit geschafft hat, eine Woche lang mit Ehekrisen auf Seite Eins zu erscheinen. Fröhlicher heute das Handelsblatt "Siemens verspricht Rekorde", während die Welt mit einer Überraschung aufwartet "Schröder schickt Geheim-Agenten nach Nahost." Dort sollen nach Informationen der Zeitung, Agenten einen israelisch-palästinensischen Gefangenenaustausch einleiten. Süddeutsche, die Frankfurter Zeitungen und der Tagesspiegel titeln heute mit dem neuen Präsidenten der USA.

Es wundert nicht, dass die Berliner Tageszeitung mit George W. Bush dank dessen Industrienähe und den von ihm eingeleiteten Hinrichtungsorgien in texanischen Gefängnissen, die größten Probleme hat. "George W. Bush? Das ist doch der aus Houston, wo es die giftigste Luft der USA gibt; das ist der, der im Naturschutzgebiet von Alaska nach Öl bohren will."

Doch das sind noch nicht die Hauptprobleme, die Regierungskreise - wahrscheinlich in ganz Europa - mit dem neuen Präsidenten haben. Denn das Wort Außenpolitik scheint für den Mann, der nur dreimal in seiner Zeit als Gouverneur im Ausland war, ein Fremdwort zu sein. Jeder High School Schüler hat mehr Reiseerfahrung. Da hilft ihm der Hinweis auf sein Beraterteam auch nicht weiter, meint die Taz abschließend," Er brüstet sich damit, ein erstklassiges außenpolitisches Team an seiner Seite zu haben. Dieses Team hat seine Meriten in den Amtsjahren von Ronald Reagan und George Bush senior erworben. Die Zeiten haben sich aber gewandelt. Die alten Rezepte aus der Zeit des Kalten Krieges, wenn sie denn je gut waren, funktionieren nicht mehr."

Die Frankfurter Rundschau hat Bedenken, dass demnächst ein schärfer Wind aus dem Weißen Haus weht. "Die größte Besorgnis gilt der Verteidigungspolitik, wo eine neue aggressive Linie Washingtons nicht ausgeschlossen wird." Auch hat man Angst, dass die Amerikaner eine neue Isolationspolitik betreiben. "Bushs Wahlkampfstab hatte vor dem Urnengang angedeutet, die USA könnten sich vom Balkan zurückziehen und solche Einsätze künftig den Europäern überlassen" so die Befürchtungen der Rundschau. Auch die FAZ weiß noch nicht, wohin sie den konservativen Texaner packen soll. "Bush wird nun beweisen müssen, welches politische Gewicht er in Washington auf die Waagschale legen kann..." Nun ist Bush sicher kein politischer Selbstmörder. Als Gouverneur hat er lange in Washington Erfahrungen sammeln können. Doch ob das reicht, das fragt sich auch die FAZ "Wenn Bush glaubwürdig als der Versöhner auftritt, für den er sich ausgibt, und seinen Weg in der Mitte sucht, muß die Konfrontation nicht in Stein gemeißelt sein. Aber Texas ist nicht Washington, Schwer wird ihm das Regieren werden."

Eine Sorge weniger haben die Europäer im Osten. Der ukrainische Präsident Leonid Kutschma will heute den letzten noch laufenden Atomreaktor in Tschernobyl ausschalten. Sehr zum Unwillen seines Parlaments, denn die finden es verrückt, ausgerechnet in der kältesten Jahreszeit einen der Hauptlieferanten für Storm in der Ukraine abzuschalten. Doch der Präsident hat gute Gründe: Geld. Kutschma hat die Europäer für ihre Ängste zahlen lassen. "Dass der Westen auf die ‚Erpressung' aus Kiew einging und 3,4 Milliarden Mark für den Fertigbau der beiden ukrainischen ‚Ersatz'-AKWs Khelmnitzky 2 und Rowno 4 (kurz K2R4) bereitstellt, ist fatal" schreibt die Frankfurter Rundschau. Doch das Problem ist deswegen noch lange nicht vom Tisch wie die TAZ weiß: "Während sich der Westen auf das Symbol Tschernobyl konzentriert, laufen ähnliche Reaktortypen nicht nur unbehelligt, sondern sogar mit westlicher Unterstützung weiter. So existieren in Osteuropa noch vier aktive Atomkraftwerke des russischen Tschernobyl-Typs mit 13 Reaktoren." Und die produzieren Strom, der billig ist, und für den sich auch europäische Konzerne interessieren, wie der Tagesspiegel schreibt "Noch verhindern oft nicht zu den Westsystemen passende Stromnetze, eigene Versorgungsprobleme und fehlende Privatisierung der Staatsbetriebe in den Ländern Osteuropas die Lieferung dieses "dreckigen" Stroms ins Ausland, nach Deutschland. Aber Geschäft ist Geschäft, und danach richten sich Konzerne."